30. Dezember 1953: Brief an Heinrich Schrömbgens, Karlsruhe

Heinrich Schrömbgens (1874-1956), Dr. jur., Rechtsanwalt, Studienfreund Adenauers, ab 1902 beim Oberlandesgericht Köln, 1912-1944 beim Reichsgericht Leipzig, gehörte bis 1933 der Zentrumspartei an, 1948 beim Obersten Gerichts­hof für die britische Zone, ab 1950 beim Bundesgerichtshof Karlsruhe.

Lieber Schrömbgens!

Es ist wirklich ein schwer zu verzeihendes Vergehen von mir, dass ich Dir auf Deinen so freundlichen Brief vom 11.10. und die Bilder noch nicht geantwortet habe. Ich lege Dir bei den Anfang eines Antwortbriefes, der aber dann leider wegen Überbelastung nicht zu Ende geschrie­ben worden ist. Du siehst aber daraus, wie sehr ich mich gefreut habe. Ich erinnere mich immer weiterer Gefährten von damals, wenn ich das Bild mir ansehe. Es war eine sehr schöne Zeit.

Es tut mir aufrichtig leid, aus Deinem Briefe vom 29.12. zu sehen, dass Du eine schlechte Zeit hinter Dir hast; hoffentlich macht die Besserung stetige und schnelle Fortschritte.

Mir geht es leidlich. Die Arbeitsintensität und vor allem die große Verantwortung bedrücken mich doch sehr. Auch lastet schwer der Gedanke auf mir, was werden soll, wenn ich plötzlich ausfalle. Es ist alles zu sehr auf mich konzen­triert.

Deiner Frau, Dir und allen den Deinen wünsche ich von Herzen alles Gute für das Jahr 1954. Die ersten Monate werden für uns alle von lebenswichtiger Bedeutung sein.

Deiner Frau und Dir recht herzlich Grüße!

Dein

K. Adenauer

[Anlage: Der angefangene Brief vom 13. Oktober 1953]

Lieber alter Fuchsmajor (so sage ich im Anblick des Bildes).

Zunächst danke ich Dir und den Deinen herzlich für die guten Wünsche. Ich kann geistige Hilfe wohl gebrauchen, denn die mir auferlegte Bürde ist schwer.

Quelle: Konrad Adenauer: Briefe über Deutschland 1945-1955. Eingeleitet und ausgewählt von Hans Peter Mensing aus der Rhöndorfer Ausgabe der Briefe. München 1999, S. 166f.