3. Oktober 1966: Brief an Axel Springer, Hamburg, aus Cadenabbia

Sehr geehrter Herr Springer!

Es tut mir sehr leid, daß ich wegen einer Erkrankung, die uns alle hier unten in Italien befallen hat, nicht zur Einweihung Ihres Hauses an der Mauer nach Berlin kommen kann. Ich fand es immer bewundernswert, wie Sie nicht nur in Worten, das heißt in Ihren Zeitungen, sondern auch in Taten zu Berlin gehalten haben; das hätte ich Ihnen gerne persönlich noch einmal gesagt.

Auch Ihre Idee, als Privatmann das Museum in Jerusalem zu unterstützen, findet meine Anerkennung und Hochachtung. Es ist ein weiterer Markstein auf dem harten und schwierigen Wege bei der Erreichung eines der politischen Ziele, die mir am meisten am Herzen liegen: der Wiederaussöhnung des deutschen mit dem jüdischen Volke.

In Gedanken bin ich am 6. Oktober bei Ihnen und bei den Berlinern.

Von Herzen alles Gute!
Ihr

Adenauer

Quelle: Original in Unternehmensarchiv Axel Springer Verlag, NL Axel Springer, auf Kopfbogen "Konrad Adenauer". Abgedruckt in: Adenauer. Die letzten Lebensjahre 1965-1967. Briefe und Aufzeichnungen, Gespräche, Interviews und Reden (Rhöndorfer Ausgabe). Bd. II: September 1965 - April 1967. Hg. von Rudolf Morsey und Hans-Peter Schwarz. Bearb. von Hans Peter Mensing. Paderborn 2009, S. 301.