24. Januar 1965: Rundfunkerklärung zum Tod von Sir Winston Churchill

Der Tod Sir Winston Churchills ist für das englische Volk ein sehr großer und schwerer Verlust. Er ist aber auch ein solcher Verlust für die ganze freie Welt und insbesondere auch für das deutsche Volk. Immer wieder hat Churchill während seiner politischen Tätigkeit nach dem Kriege betont, wie notwendig es sei, Europa zu schaffen. Er hat das zum ersten Mal ausgesprochen in Zürich im Jahre 1946. Ich bin ihm in einer deutschen Delegation zuerst begegnet auf der Europakonferenz im Haag im Jahre 1948. Churchill hat dort uns Deutsche in sehr freundlicher, ja liebenswürdiger und aufgeschlossener Weise begrüßt. Auch in der Folge, den folgenden Jahren, in denen ich wiederholt mit ihm zusammengetroffen bin, war er von der gleichen Freundlichkeit beseelt gegenüber dem deutschen Volke und auch gegenüber meiner Person.

Ich habe ihn zuletzt gesprochen im Frühjahr 1958 an der Riviera, in einer großen, ganz freundschaftlichen und internen Besprechung, die sich wohl über alle damals schwebenden Probleme in der Welt erstreckte. Seine Arbeit, seine Person ist in der Geschichte unserer Zeit nicht fortzudenken.

Die Lady Churchill und die Familie des Heimgegangenen grüßen wir in dieser Stunde in Ehrfurcht und in Beileid und Teilnahme. Ich tue das für das deutsche Volk, ich darf es aber auch tun für meine Person, weil ich während der ganzen Jahre hindurch von Sir Winston Churchill nur Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit empfangen habe.

Quelle: StBKAH, maschinenschriftlicher Text des BPA (hektographiert).