6. April 1950: Aufzeichnung über die Unterredung des Bundeskanzlers Adenauer mit dem italienischen Gesandten in der Bundesrepublik Deutschland, Rizzo

Der Herr Bundeskanzler empfing heute den italienischen Gesandten Rizzo in meiner Gegenwart zu einer Aussprache über die mit Aufzeichnung vom 3. April [1950] bereits behandelte Antwort des Grafen Sforza hinsichtlich des deutschen Beobachters im Europarat. Herr Rizzo betonte erneut, daß Graf Sforza im Ministerausschuß des Europarates versucht habe, die deutsche Anregung genehmigen zu lassen, daß er jedoch an einer starken Majorität gescheitert sei. Graf Sforza sei der Auffassung, daß man diese Frage schnell hätte lösen können, wenn erst einmal die deutsche Delegation ihren Sitz in der Assemblée eingenommen habe. Sobald dies der Fall sei, werde er sich im Ministerausschuß für die Entsendung eines deutschen Beobachters erneut einsetzen. Im übrigen brachte Herr Rizzo die Sprache auf die Interviews, in denen der Herr Bundeskanzler eine deutsch-französische Union angeregt hat. Er wies darauf hin, daß diese Pläne in Rom große Aufmerksamkeit gefunden hätten, daß man aber die Erwähnung Italiens im Zusammenhang mit diesen Plänen vermißt habe.

In seiner Antwort wies der Herr Bundeskanzler darauf hin, daß er bei seinen Darlegungen über den Plan einer deutsch-französischen Union geflissentlich nur von einer Zuziehung Englands gesprochen habe. Er habe damit gewisse französische Ressentiments vermeiden wollen. Selbstverständlich sei eine Verbindung von Italien, Frankreich und Deutschland, wie sie Graf Sforza erstrebe, auch nach seiner Auffassung die einzig nützliche Lösung, um die wahrhaft europäischen Länder gegenüber der Gefahr aus dem Osten zu schützen. Herr Rizzo setzte sich im weiteren Verlauf des Gesprächs ganz besonders stark für den Beitritt Deutschlands zum Europarat ein. Er hoffe, daß Deutschland die Einladung recht bald annehmen werde. Der Herr Bundeskanzler bat Herrn Rizzo, Graf Sforza seinen herzlichen Dank für seine Bemühungen in Straßburg zu übermitteln und ihm zu sagen, daß er mit den Grundzielen der Politik der gegenwärtigen italienischen Regierung durchaus harmoniere.

Die Bundesregierung beabsichtige, in Kürze in Rom ein Generalkonsulat zu eröffnen. Er trage sich mit dem Gedanken, Herrn Clemens von Brentano, den älteren Bruder des Fraktionsvorsitzenden der CDU im Bundestag, zum Generalkonsul in Rom zu ernennen. Er bitte deshalb, in Rom anzufragen, ob der italienischen Regierung die Ernennung des Herrn von Brentano genehm sei.

Hiermit dem Herrn Bundeskanzler vorgelegt.

Quelle: BArch, NL Blankenhorn N 1351/3, Bl. 150f.