3. November 1951: Besprechung des Leiters der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amts, Herbert Blankenhorn, mit Bundeskanzler Konrad Adenauer (Auszug)

Auswertung der Verhandlungsergebnisse.

Nachmittags dreistündige Besprechung mit dem Bundeskanzler in Rhöndorf, an der zeitweise Ministerialdirektor Klaiber, zeitweise auch Dr. Blank teilnimmt. [...]

Klaiber bringt den neuesten Störungsversuch der Ostzonenleute, einen Brief Piecks an den Bundespräsidenten. Interessant, dass wieder die UNO-Kommission abgelehnt und dafür eine gemischte deutsche Kommission (Vertreter der Ost- und Westzone) unter Aufsicht der vier Besatzungsmächte vorgeschlagen wird.

Blank bringt gute Nachrichten über die Verhandlungen in Paris. Er glaubt, bis Weihnachten den westeuropäischen Verteidigungsvertrag unter Dach zu bringen, beklagt sich nur über die Umständlichkeit der deutschen Juristen, vor allem des Professors Ophüls, dessen Abberufung er beantragt.

Der Bundeskanzler gibt mir Weisungen hinsichtlich meiner neuen Aufgabe als ad-hoc-Beobachter bei der 6. Vollversammlung der Vereinten Nationen in Paris: Möglichste Beschleunigung der Integration Westdeutschlands in die westeuropäische, atlantische Gemeinschaft; dadurch Beseitigung etwaiger Neutralisierungsversuche, die Gegenstand französisch-russischer oder englisch-russischer Verhandlungen sein könnten. Deutschland darf nicht Handelsobjekt einer Einigung der vier Mächte werden; also Fühlungnahme mit allen Kräften, die irgendeine Bedeutung besitzen; Beobachtung des Ganges der Verhandlungen hinsichtlich der gesamtdeutschen Frage (UNO-Kommission). Werbung für eine beschleunigte Integration. Wenn möglich, Zustandebringen einer Aussprache Adenauer-Acheson, solange dieser sich in Europa aufhält.

Quelle: Tagebuchnotiz des Leiters der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amts, Herbert Blankenhorn, in: BArch, NL Blankenhorn 351/8a, Bl. 177.