20. Februar 1967: Gespräch Konrad Adenauers mit dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle in Paris

A: Französische Gesprächsaufzeichnung

De Gaulle: Ich freue immer sehr, besonders aber zu diesem Zeitpunkt, daß ich Sie empfangen darf.

Adenauer: Auch ich bin sehr froh, Sie in einer Situation wiederzusehen, die mir kritisch erscheint. Von Bundeskanzler Kiesinger, der vor kurzem bei Ihnen war, haben Sie, wie ich denke, einen guten Eindruck gewonnen. In den französisch-deutschen Beziehungen handelt es sich jedenfalls um eine Wende. Ich war nicht sehr erbaut darüber, daß sich Kiesinger für Brandt als Außenminister entschieden hat; jetzt aber ist es wohl so, daß Brandt- wie ich erfahren habe - viel arbeitet, weniger trinkt und alle Welt durch seine  Leistung in Staunen versetzt.

De Gaulle: Brandt hat auf mich einen guten Eindruck gemacht.

Adenauer: Ich bin vor allem gekommen, um mit Ihnen über Europa zu sprechen, über dieses  Europa, das wir schaffen müssen. Gerade jetzt bin ich entrüstet über den Entwurf des Atomsperrvertrags6, den die UdSSR und die Vereinigten Staaten vorgelegt haben und der zeigt, daß die Amerikaner erbärmliche Politiker sind. Ich freue mich, daß Frankreich diesen Vertrag nicht unterzeichnen will. Meinerseits werde ich mich mit allen meinen Kräften dafür einsetzen, seine Unterzeichnung durch die Bundesrepublik zu verhindern. Ich habe durchaus noch einigen Einfluß in der Bundesrepublik und auch anderswo, wie mein Besuch hier zeigt.

Ich war ganz fassungslos, daß man diesen Vertrag schon unterzeichnen wollte, und ich bin entsetzt wegen der wirtschaftlichen Folgen, die sich daraus zwangsläufig ergeben werden und über die ich jetzt mit Ihnen sprechen möchte. Wissenschaftliche Kreise in der Bundesrepublik glauben, daß nach den Planungen für die friedliche Nutzung der Atomenergie die Kilowattstunde in den nächsten zwölf fahren bis zu einem Drittel des Preises für klassische Energie gesenkt werden kann. Ich bin überzeugt, daß die Russen über den Atomsperrvertrag in Wirklichkeit versuchen wollen, die deutsche Wirtschaft zu ruinieren und die deutschen Arbeiter für den Kommunismus zu gewinnen. Es sind also in erster Linie wirtschaftliche Ziele, die sie verfolgen und die auch politische Folgen hätten; denn wenn Deutschland kommunistisch würde, würde Frankreich nicht zögern, sich ihm anzuschließen, und die Sowjetunion wäre dann mit einem kommunistischen Deutschland und Frankreich viel stärker als die Vereinigten Staaten.

Ich habe mich von den sowjetischen Zielen bereits 1955 bei meinem Besuch in Moskau überzeugt. Chruschtschow bat mich damals, die UdSSR gegen China zu unterstützen. Er war sich bewußt, daß die UdSSR, auf sich alleine gestellt, mit dem kommunistischen China nicht fertig würde, und er fügte gleichfalls hinzu, daß die Bundesrepublik der Sowjetunion gegen die Vereinigten Staaten helfen könne. Der Gesamteindruck aus diesen Gesprächen ergab, daß sich die UdSSR mit Deutschland und Frankreich an ihrer Seite sowohl gegen China als auch gegen die Vereinigten Staaten stark fühlen würde. Ich habe diese Annäherungsversuche Chruschtschows abgelehnt. - Wie Sie, Herr General, wissen, sind die Russen momentan dabei, ihre sechstausend Kilometer lange Grenze gegenüber China zu verstärken.

Um auf den Vertrag über die Nichtverbreitung und seine wirtschaftlichen Folgen zurückzukommen, würde die deutsche Wirtschaft ersticken, wenn die Russen sich die Kontrolle über die Atomanlagen in der Bundesrepublik sichern - auch wenn wir jetzt bereits einer derartigen Kontrolle im Rahmen der Euratom unterworfen sind; es wird Arbeitslosigkeit geben, und die Arbeiter werden sich den Reihen der SED anschließen.

Als ich letztes Mal das Vergnügen hatte, Sie in Bonn zu treffen, haben wir noch über die Errichtung Europas gesprochen. Also gut! Jetzt muß man es wirklich schaffen. Europa muß sich gegenüber den beiden Riesen, die die Welt beherrschen, behaupten, und deshalb ist es nicht zu spät, die Verhandlungen über die politische Zusammenarbeit wieder aufzunehmen. Der Plan Fauchet II ist nicht tot. Sicher, als man damals darüber diskutierte, haben sich die Niederländer und die Belgier dem widersetzt, aber sie haben niemals dagegen gestimmt. Es ist ein Plan, an den man jederzeit wieder anknüpfen kann. Es gibt in der Tat in den verschiedenen europäischen Verträgen keinerlei Bestimmung, die einige von uns daran hindern könnte, derartige Initiativen zu ergreifen. So konnte es zum französisch-deutschen Freundschaftsvertrag kommen, und auch andere Konstruktionen, wie Europa politisch gestaltet werden kann, sind denkbar - ob zu zweit, zu dritt, zu acht oder zu jeder anderen Zahl als zu sechst.

Ich befürchte, daß sich die Vereinigten Staaten und die UdSSR, wenn Europa nicht zustandekommt, über unseren Willen hinwegsetzen, und falls sie sich einmal über die Beute streiten, sind wir es, die die Folgen zu tragen haben. Zerteilt, wie wir es nun einmal sind, ist unsere Schwäche ebenso offensichtlich wie unsere geringe Flächenausdehnung, die, verglichen mit den Vereinigten Staaten, China oder der UdSSR, für uns im Falle eines nuklearen Krieges, der zum Flächenkrieg würde, verhängnisvoll wäre. Mao kann leicht sagen: »Es würden immer noch 300 Millionen Chinesen übrig bleiben.«

Ich wünsche mir, daß das Europa, das wir errichten können, die Bevölkerung der Vereinigten Staaten die Ohren spitzen läßt und ihre Regierung dazu bringt, auf die eigene öffentliche  Meinung zu hören.  Es gab eine Zeit, in der die amerikanische Regierung uns drängte, unsere Einheit zu schaffen und sogar damit drohte, uns unserem Schicksal zu überlassen, wenn wir sie nicht zustandebringen. Das war während der Zeit von Dulles und seines Nachfolgers Herter. Als Kennedy dagegen von der Unterzeichnung des französisch-deutschen Freundschaftsvertrages erfuhr, sprang er auf und rief aus, das sei ein Dolchstoß in den Rücken Amerikas. Das habe ich aus sicherer Quelle. Kennedy war kein guter Politiker. Johnson ist es noch weniger. Was den derzeitigen Botschafter der Vereinigten Staaten in Moskau, Thompson, anbelangt, so ist er ein Dummkopf. Als die Berliner Mauer gebaut wurde, war er froh darüber und sagte: »Diese Mauer ist eine Geschenk Gottes, nun müssen wir die Flüchtlinge nicht mehr in den Osten zurückschicken.«

Was die amerikanischen Institutionen betrifft, so verfolgen sie keinen klaren Kurs. Die Verfassung der Vereinigten Staaten ist eine » Verfassung von vorgestern«; der Präsident kann den Krieg erklären, wann immer es ihm recht ist, ohne den Kongreß um seine Stellungnahme zu bitten. Wie schrecklich, daß ein Land mit solchen Institutionen die erste Weltmacht sein soll! Es ist an der Zeit, daß Europa seine Stimme erhebt.

De Gaulle: Was Sie über Europa sagten, hat mich sehr erfreut. Sie erinnern sich, daß wir darüber in der Vergangenheit oft gesprochen haben, daß es aber auch Divergenzen hinsichtlich der Unabhängigkeit gegenüber den Vereinigten Staaten zwischen uns gab. Damals teilten Sie meine Meinung nicht. Sie waren der Auffassung, daß der historische Zeitpunkt und besondere deutsche Lage die Bindung Europas  an die USA verlangten. Wir stimmten auch nicht in NATO-Fragen überein, und Sie konnten nicht nachvollziehen, daß ich Ihnen sagte, Frankreich werde diese Organisation verlassen.

Nun sagen Sie mir, daß Europa von den Vereinigten Staaten unabhängig sein müsse, und das  vernehme ich mit sehr großem Interesse. Inder Tat muß Europa europäisch und unabhängig  von den USA sein.  Es stellt sich aber die Frage, ob die Italiener, Belgier oder Niederländer

genauso denken und ob auch Ihre eigene Regierung derselben Meinung ist. Der Fauchet-Plan wurde wegen der Vereinigten Staaten nicht akzeptiert; denn in Bonn oder in Rom sagte man, daß seine Folgen auf dem Gebiet der Verteidigung den NATO-Interessen zuwiderliefen.

Ob es jetzt möglich ist,  Zustimmung zum Fauchet-Plan zu gewinnen, da bin ich mir nicht sicher. Was uns betrifft, so haben wir den Weg der Unabhängigkeit eingeschlagen; aber die anderen, sind sie ebenso entschlossen, ihn zu gehen? Es ist richtig, daß der Vertrag, den wir 1963 unterzeichnet haben, nur für die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und der Bundesrepublik gilt; die Präambel aber, die der Bundestag ihm hinzugefügt hat, hob den Vorrang der Verbindungen mit den Vereinigten Staaten hervor.

Adenauer: Der Plan Fauchet II stieß auf den Widerstand der Niederlande,

die ihrerseits von Großbritannien unter Druck gesetzt wurden. Ebenso verhielt es sich mit Spaak. Hinter Großbritannien standen natürlich die Vereinigten Staaten mit ihrer Politik des divide et impera.

Heute verändert der Nichtverbreitungsvertrag die Situation von Grund  auf In Spanien wollte ich eigentlich nicht darüber sprechen, habe dann aber doch meinen Aufenthalt genutzt, um mich gegen dieses Projekt auszusprechen, und ich habe festgestellt, daß man dort genauso

dagegen ist. Wenn wir heute über Europa sprechen, haben wir die Jugend auf unserer Seite, und wir werden Amerika beeindrucken. Ich habe bereits über die amerikanischen Institutionen gesprochen, und ich möchte in diesem Zusammenhang daran erinnern, daß während der tausend Tage von Kennedy das Kabinett kein einziges Mal tagte. Es ist schrecklich und absolut unerträglich, von einem solchen Land immer abhängiger sein.

De Gaulle zeigt sich überzeugt, daß ein unabhängiges Europa unabhängig von den Vereinigten Staaten sein müsse; er bezweifelt allerdings, daß die derzeitige Situation für den Fauchet-Plan günstig sei, da sowohl Fanfani und Luns als auch Harmel und Vanden Boeynants nichts unternehmen wollten, was die Vereinigten Staaten stören könnte. Was die Herren Kiesinger und Brandt angeht, werden sie sich vielleicht nicht allzu sehr beeilen.

Nach Adenauers Einschätzung hätte der Fauchet-Plan in der jetzigen Weltlage, die sich sehr verändert habe, durchaus Chancen.

De Gaulle erinnert erneut daran, daß Frankreich es verstanden habe, sich von den Vereinigten Staaten zu lösen.

Adenauer beglückwünscht ihn zu seinem Weitblick, der es Frankreich

erlaubte, sich mit der Atomkraft auszustatten.

De Gaulle glaubt, daß, wenn die UdSSR Westeuropa angreifen sollte - was sie aber eigentlich gar nicht will -, keinerlei vertraglicher Mechanismus erforderlich wäre, damit die Vereinigten Staaten intervenierten. Jedenfalls würden die USA eine sowjetische Herrschaft über

Westeuropa keinesfalls akzeptieren. Im übrigen dächten die Russen auch gar nicht daran. Sie wollten ein Arrangement mit den Vereinigten Staaten erreichen, das die Form neuen Jalta annehmen könnte, das beide Seiten gegen China schützt.

Adenauer: Mir liegt vor allem daran, daß wir nicht mehr von den USA abhängig sind. Das Land hat unter anderem große soziale Schwierigkeiten zu bewältigen; das Problem der farbigen Bevölkerung stellt sich momentan mehr und mehr in New York, in Washington besteht es seit langem. Ich möchte nicht, daß Europa wegen einer schlechten amerikanischen Politik scheitert. Lassen Sie es mich ganz unverblümt sagen: Der Nichtverbreitungsvertrag zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR ist eine schamlose Sache. Die UdSSR will ihrerseits nicht kontrolliert werden, genauso wenig die USA, und nun einigt man sich darauf, alle anderen zu kontrollieren!

De Gaulle: Wir werden diesen Vertrag nicht unterzeichnen. Die Bundesrepublik wird selbstverständlich das machen, was sie für richtig hält, und wir werden ihre Entscheidung respektieren; wenn sie aber nicht unterzeichnet, muß sie erklären, dass sie nicht beabsichtigt, Atomwaffen zu erwerben.

Adenauer: ja, das werden wir zusichern. Aber wir werden ja ohnehin durch die Euratom kontrolliert. Im übrigen glaube ich nicht an die Möglichkeit eines nuklearen Krieges in Europa; ich glaube nur, daß ein Zustand nicht fortbestehen darf, in dem die Welt nur durch die UdSSR, die Vereinigten Staaten und China beherrscht wird.

De Gaulle erklärt, Kossygin habe Frankreich gedrängt, den Vertrag zu unterzeichnen. Er habe dies aus zwei Gründen abgelehnt: zum einen, weil die Initiative von der UdSSR und den Vereinigten Staaten ausgehe und dies nicht der Weg sei, den wir beschreiten wollten; zum

anderen, weil die USA und die UdSSR auf diese Weise ihre aktive Hegemonie untermauern wollten, die Frankreich nicht akzeptieren könne.

Adenauer erinnert an eine Unterredung, die er in Bonn mit Botschafter Smirnow hatte - einem sehr anständigen Mann; dabei habe dieser ihm erklärt, die Russen fürchteten sich vor der Bundesrepublik. Er habe daraufhin erklärt, daß er das nicht glaube, und der Botschafterhabe nicht darauf bestanden. Es sei jedoch eine Tatsache, wiederholt Dr. Adenauer, daß die Russen Westeuropa wollten, da sie sein wirtschaftliches Potenzial in ihrem Kampf gegen Asien bräuchten.

De Gaulle: Wir sind wirtschaftlich, menschlich und politisch stärker als die Russen. Ihre Lage ist nicht gut, sie sind momentan in der Defensive, und sie wünschen sich, wirtschaftliche und Sicherheitsabkommen abzuschließen, haben aber nicht die Absicht, uns zu erobern; mit

den Polen, den Tschechen, den Rumänen und den Ungarn haben sie genug Schwierigkeiten. Dem wollen sie nicht auch noch Frankreich Deutschland oder Spanien hinzufügen. […]

Adenauer: Die Lage hat sich vielfältig verändert; uns stehen drei Supermächte gegenüber. Wenn es zum Krieg käme, würden wir darunter am meisten leiden. Wir müssen die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten damit vertraut machen, daß Europa eine politische, wirtschaftliche und kulturelle Kraft darstellt. Solange es die Vereinigten Staaten

getrennt mit Norwegen, Spanien, der Bundesrepublik, Frankreich usw. zu tun haben, vermitteln wir nicht diesen Eindruck politischer Geschlossenheit. Wir treten nun in eine neue Periode der Geschichte ein, in der das vereinte Europa seinen Einfluß in der Welt geltend machen muß. Alle unsere Anstrengungen müssen auf dieses Ziel ausgerichtet sein.

Zum Schluß fragt Adenauer General de Gaulle, ob er beabsichtige, sich nach Rom zum zehnten Geburtstag der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu begeben.

De Gaulle antwortet, daß dies noch nicht entschieden sei.

Adenauer vertritt die Ansicht, daß, wenn es nach ihm ginge, General de Gaulle nicht dorthin gehen dürfe, da eine Debatte unter den Sechs in Rom sehr schnell chaotisch verliefe und da die Frage des Beitritts Großbritanniens zum Gemeinsamen Markt in einem »kleinen Ausschuß« erörtert werden müsse.

 

 

B: Deutscher Botschafterbericht

Auf der Rückreise von seinem Spanien-Besuch wurde Altbundeskanzler Adenauer gestern Vormittag von Staatspräsident de Gaulle zu einer einstündigen Unterredung unter vier Augen empfangen. Anschließend gab der General ihm zu Ehren ein Frühstück, an dem auch die Minister Couve de Murville und Peyrefitte teilnahmen. Die Tischreden standen im Zeichen der Freundschaft, die die beiden Staatsmänner verbindet. Die Unterhaltung mit de Gaulle hatte nach den Informationen, die mir der Altbundeskanzler gab, etwa folgenden Verlauf: Zunächst habe Adenauer den französischen Staatspräsidenten über seine recht positiven Eindrücke zu der wirtschaftlichen Entwicklung in Spanien und zur Person General Francos unterrichtet. Es müsse alles getan werden, um Spanien sowohl wirtschaftlich wie politisch näher an die europäischen Organisationen zu binden. Der General habe sich sehr interessiert gezeigt, da er persönlich keine Kenntnis von Franco und Spanien habe.

Daraufhin habe Adenauer im Sinne seiner Rede in Madrid dem General seine Gedanken zur Notwendigkeit einer europäischen politischen Union und zu dem geplanten Atomsperrvertrag vorgetragen. Nach Ansicht Adenauers bezwecke die Sowjetunion mit diesem Vertrag die europäische und insbesondere die deutsche Industrie zu entmachten. Die Folge würden für die Bundesrepublik Arbeitslosigkeit und soziale Unruhen sein, die von der Sowjetunion schließlich zur Unterwerfung Deutschlands unter den sowjetischen Willen ausgewertet werden könnten. Dies bedeute dann auch für Frankreich eine unmittelbare Gefahr. De Gaulle habe daraufhin erklärt, der Vertrag würde von Frankreich nicht unterzeichnet werden, und habe anerkannt, daß dieser Vertrag in seiner jetzigen Form eine Zementierung der Vormachtstellung der beiden Atomgiganten in der Welt bedeute. Weiter ließ sich aber der General anscheinend nicht aus seiner Reserve rauslocken. Insbesondere hat er es vermieden, Adenauer irgendeinen  Rat für die künftige Haltung der Bundesregierung zum Atomsperrvertrag zu geben.

Auch zu der Frage der Notwendigkeit einer europäischen politischen Union scheint sich der General zurückhaltend geäußert zu haben. Nach der Ansicht Adenauers wolle er vor den Wahlen noch keine Stellungnahme beziehen und sei auch noch unsicher, ob er zu der geplanten Gipfelkonferenz nach Rom fahren solle. Er sei mißtrauisch, ob die Holländer und auch die Italiener (mit den Nenni-Sozialisten in ihrer Regierungskoalition) zu einer wirklichen politischen Zusammenarbeit der sechs Partner der EWG bereit seien, obwohl er nach wie vor zur Wiederaufnahme der Verhandlungen auf der Grundlage des Fouchet-Plans bereit sei.

Der neuen deutschen Bundesregierung stehe der General durchaus positiv gegenüber, obwohl er nach dem Eindruck Adenauers noch skeptisch sei, ob die Bundesregierung ihre Politik der engen deutschfranzösischen Zusammenarbeit und der Entspannungspolitik gegenüber dem Osten gegen innere Widerstände werde durchhalten können.

 

Quelle: Morsey, Rudolf/Schwarz, Hans-Peter: Adenauer. Die letzten Lebensjahre 1963-1967. Briefe und Aufzeichnungen, Gespräche, Interviews und Reden, Bd. 2: September 1965-April 1967, bearbeitet von Hanns Peter Mensing, Paderborn 2009, S. 383-389.