5. Dezember 1949: Pressenotiz des stellvertretenden Leiters des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, Böx

Zu den irreführenden Meldungen, die von verschiedenen Agenturen über das Interview mit dem Korrespondenten des Cleveland Plain Dealer verbreitet worden sind, wird vom Bundespresseamt folgendes richtiggestellt:

Bei dem Interview, das der Bundeskanzler Dr. Adenauer dem Korrespondenten des Cleveland Plain Dealer, Mr. Leacacos, am 3.12.49 gegeben hat, war der stellvertretende Bundespressechef Dr. Böx anwesend. In dieser Unterredung führte Bundeskanzler Dr. Adenauer aus, daß er grundsätzlich gegen jede deutsche Wiederaufrüstung sei. Er betonte, daß Deutschland seine ganze Kraft dem Wiederaufbau zuwenden müsse, besonders nach den schweren Verlusten an Menschenleben des vergangenen Krieges.

Auf die Frage des Korrespondenten, wie die deutsche Regierung sich zu einer Aufforderung der Alliierten stellen würde, sich an der Verteidigung Europas zu beteiligen, führte Bundeskanzler Dr. Adenauer aus: Wenn auf einer Beteiligung Deutschlands an der Verteidigung Westeuropas bestanden würde, dann könne dies nur im äußersten Falle einer Konflagration und nur in der Form geschehen, daß ein deutsches Kontingent innerhalb einer europäischen Armee und unter europäischem Oberbefehl aufgestellt würde. Den Gedanken, Freiwillige in Deutschland zu werben, lehnte der Bundeskanzler als Landsknechtstum ab.

Die Frage, ob die deutsche Industrie Waffen herstellen könne, beantwortete Bundeskanzler Dr. Adenauer dahingehend, daß sie dazu nicht in der Lage sei, weil die entsprechenden Anlagen zerstört seien. Wenn überhaupt eine Ausrüstung erfolgen müsse, dann könne sie nur mit amerikanischen Waffen vorgenommen werden.

gez. Dr. Böx

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Pressearchiv F 1/25.