12. Oktober 1963: Ansprache des Bundeskanzlers bei der großen Feldparade der Bundeswehr in Wunstorf

Herr Verteidigungsminister! Soldaten!

Ich verabschiede mich von der Bundeswehr als dem sichtbarsten Ausdruck des Wiederaufbaus Deutschlands, als Wiederherstellung der Ordnung, als Beweis der Eingliederung in die Front freier Völker zum Schutze unseres Vaterlandes.

Eben hat Herr Verteidigungsminister von Hassel von jener Zusammenkunft in Andernach im Jahre 1956 gesprochen. Ich darf aus der Ansprache, die ich damals gehalten habe, einige Sätze wiederholen, die so gelten heute wie damals, und - wie Herr Minister von Hassel gesagt hat - sie morgen gelten werden: Ihnen - so habe ich gesagt - als Soldat ist der Schutz dieser Lebensordnung gegen Angriffe von außen aufgegeben. Dieser Auftrag ist Ihnen von Parlament und Regierung namens des deutschen Volkes gestellt. Sie werden Ihre Aufgabe nur erfüllen können, wenn Sie vom Vertrauen des Volkes getragen sind. Die Einordnung von Streitkräften in das Staatsgefüge nach mehr als zehnjähriger Unterbrechung ist eine Bewährungsprobe für unser Volk selbst. Diese Bewährungsprobe haben Sie, Soldaten, in den Jahren, die hinter uns liegen und die dem Aufbau unserer Bundeswehr galten, geleistet.

Vor meinem Auge steht wieder vor mir die verhältnismäßig kleine Zahl von Freiwilligen damals in Andernach. Heute zählt unsere Truppe über 400.000 Mann, ein ungeheurer Aufbau aller Beteiligten, vom obersten General bis zum letzten Soldaten, steckt dadrin! Und um für diese Arbeit heute zu danken, die Sie geleistet haben, stehe ich vor Ihnen.

Ich bin der festen Überzeugung, Soldaten, wenn wir nicht unsere Streitmacht geschaffen hätten, hätten wir Freiheit und Frieden schon lange verloren. So haben Sie, Soldaten, durch die Arbeit, die Sie geleistet haben, in Wahrheit dem deutschen Volke den Frieden geschenkt und erhalten. Dieser Dank, diese Anerkennung für die ungeheure Leistung dieser zehn Jahre Ihnen auszusprechen, wenige Tage, ehe ich das Bundeskanzleramt verlasse, war mir ein Herzensbedürfnis. Und so danke ich Ihnen heute und allen, die in den zehn Jahren gearbeitet haben, von Herzen dafür, daß sie durch unsere Arbeit dem deutschen Volke, Europa und der Welt den Frieden erhalten haben.

Sie werden, davon bin ich überzeugt, auch in den kommenden Jahren dadurch, daß Sie da sind, den Frieden wahren und beschützen - und dafür danke ich Ihnen.

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Mitschrift der Rundfunkaufnahme vom 12.10.1963. Druck: Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung Nr. 182 vom 15. Oktober 1963, S. 1591.