Dezember 1964: Weihnachten, wie ich es sehe

Das Weihnachtsfest sollte mehr bringen als Lichter und Geschenke. Solche Feste sollten zu Stunden der Einsicht und der Zwiesprache mit sich selbst führen. Unsere Zeit neigt nicht dazu, diese Art von stiller Betrachtung zu fördern; aber gerade deshalb müssen wir dringender denn je über die Dinge nachdenken. Unser Leben ist voller atemberaubender Hast, voll Unsicherheit und Druck.

Gerade Menschen, die weltliche Macht besitzen, die Einfluß haben und deren Stimme gehört wird, sollten darüber nachdenken, daß es ihre Hauptaufgabe ist, ihre Gaben und ihren Mut für den Frieden und für die Gerechtigkeit einzusetzen.

Konrad Adenauer
Altbundeskanzler

Quelle: Deutsches Adelsblatt. Jg. 3 (1964), S. 251. Abgedruckt in: Adenauer. Die letzten Lebensjahre 1965-1967. Briefe und Aufzeichnungen, Gespräche, Interviews und Reden (Rhöndorfer Ausgabe). Bd. I: Oktober 1963 - September 1965. Hg. von Rudolf Morsey und Hans-Peter Schwarz. Bearb. von Hans Peter Mensing. Paderborn 2009, S. 649f.