22. Januar 1963: Interview des Bundesministers für Familien- und Jugendfragen, Bruno Heck, mit dem Deutschen Fernsehen über die Pariser Besprechungen

Frage: Für Fragen der Zusammenarbeit auf kulturellem Gebiet sind Sie, Herr Dr. Heck, als Minister für Familien- und Jugendfragen hier in Paris erschienen. Das war für viele eine Überraschung, vielleicht auch für Sie?

Antwort: Ja und nein! Zugleich möchte ich hier sagen, ich finde die Tatsache, daß der Bundesjugendminister hier in Paris mit am Tisch sitzt, bringt wohl am sinnfälligsten zum Ausdruck, daß es sich bei dem Abkommen, das hier in diesen Tagen beraten und beschlossen worden ist, nicht darum handelt, Fragen des Tages oder der nächsten Woche zu regeln, sondern daß es sich um ein Abkommen von weltweiter großer Bedeutung für die Zukunft, für die Gestaltung des Verhältnisses des französischen Volkes zum deutschen Volk in der Zukunft handelt.

Frage: Würden Sie uns an einigen Beispielen schildern, wie auf den Gebieten Ihrer Zuständigkeit der deutsch-französische Austausch in Zukunft intensiviert werden kann?

Antwort: Nun, die Jugend der beiden Völker ist eigentlich den politischen Absichten dieses Abkommens vorausgeeilt. Es hat sich sehr spontan, und ohne daß es von jemandem initiiert worden wäre, von selbst entwickelt, daß innerhalb der internationalen Jugendarbeit bei uns sich ein deutsch-französischer Schwerpunkt herausgebildet hat. Diesen Schwerpunkt gilt es nun noch etwas auszubauen. Es handelt sich hier vorzüglich um die Begegnung von deutschen mit französischen Jugendgruppen, es handelt sich um die Kriegsgräberfürsorge, die von der französischen Jugend und von der deutschen Jugend schon in der Vergangenheit übernommen wurde. Es handelt sich um den Austausch von Jugendlichen, französische Jugendliche in deutsche Familien, deutsche Jugendliche in französische Familien. Es wird sich darum handeln, daß wir gemeinsame Freizeiten veranstalten, daß wir teilnehmen an den französischen Ferienkolonien, daß auf der anderen Seite wir Ferienkolonien einrichten werden, ausbauen werden, an denen sich die französische Jugend beteiligen und in denen sie der deutschen Jugend begegnen wird. Wir haben dann allerdings vor, darüber hinaus auch alle zwei Jahre eine große repräsentative Veranstaltung zu machen, eine Veranstaltung, in der die Jugend beider Völker sich kulturell darbietet. Es wird noch vieles im einzelnen dazukommen, das ich jetzt hier nicht aufzählen kann.

Frage: Auf beruflichem Gebiet soll, glaube ich, die Jugend auch stärker miteinander in Beziehung treten.

Antwort: Ja, hierauf legen wir besonders großen Wert. Es liegt in der Natur der Sache, daß die internationale Jugendarbeit im großen Ganzen von den Schülern getragen wird. Wir werden nun versuchen, daß wir berufskundliche Fahrten für unsere Jugend in Frankreich, für die französische Jugend in Deutschland organisieren können. Und man kann ja auch in diese Ferienkolonien Jugendgruppen zusammenstellen, die bereits werktätig sind.

Frage: Gehört nicht eine großzügigere Anerkennung der Diplome, der beruflichen Diplome auf allen Gebieten dazu, um diese Kontakte auch wirklich fruchtbar zu machen?

Antwort: Das ist sicher eine ganz wichtige Frage, die allerdings nicht in meine Zuständigkeit fällt, eine Frage, die aber, wie ich meine, verhältnismäßig leicht zu lösen ist. Hier müssen die Kultusminister unserer Länder in die entsprechenden Verhandlungen mit den französischen Stellen eintreten. Aber soweit ich das beurteilen kann, wird das keine großen Schwierigkeiten machen. Die Bereitschaft dazu ist auf beiden Seiten vorhanden.

Quelle: Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung Nr. 15 vom 24. Januar 1963, S. 121.