Nachruf von Dr. Erich Mende, Vorsitzender der FDP, auf Konrad Adenauer

 

Mit tiefer Anteilnahme und Mittrauer beklagt die Freie Demokratische Partei den Tod des Altbundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer. Mit Konrad Adenauer als Bundeskanzler ist die Freie Demokratische Partei ein Jahrzehnt in gemeinsamer Verantwortung verbunden gewesen. Er war es, der den Vorschlag machte: Theodor Heuß den damaligen Bundesvorsitzenden der Freien Demokratischen Partei, zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland zu wählen. Im ersten und zweiten Kabinett Dr. Adenauer hat die Freie Demokratische Partei als Koalitionspartner die Bundesministerien für Justiz, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Wohnungsbau verwaltet, bis 1956 an der Saarfrage die  Regierungszusammenarbeit zerbrach. In diesen ersten Jahren der Bundesrepublik sind die Grundsatzentscheidungen für den so erfolgreichen Wiederaufstieg des freien Teiles Deutschlands gefallen. Beharrlich und unbeirrt von Angriffen, wie es seine Art schon als Kölner Oberbürgermeister war, stritt Konrad Adenauer für diese Entscheidungen.

 

Als die CDU/CSU in der Bundestagswahl 1961 die absolute Mehrheit verlor, wurde die Regierungszusammenarbeit mit der Freien Demokratischen Partei erneuert, zunächst unter Konrad Adenauer, dann unter Ludwig Erhard als Bundeskanzler. Ich werde nie vergessen, was mir Konrad Adenauer in den harten Auseinandersetzungen um die Frage sagte, warum er das Amt des Bundeskanzlers 1961 noch nicht abzugeben in der Lage sei, sondern erst in der Mitte der Wahlperiode sein Amt als Bundeskanzler zur Verfügung stellen wolle. Aus dieser Antwort und dem an mich gerichteten  Brief sprach die tiefe Verantwortung, die Konrad Adenauer nach der Errichtung der Mauer in Berlin für Deutschland und für den Frieden fühlte. Er hat mir seine Gründe noch einmal dargelegt, als die Kubakrise ihrem Höhepunkt zustrebte und der Besuch des Sonderbotschafters des Präsidenten Kennedy in Bonn stattgefunden hatte.

 

Konrad Adenauers großes Verdienst ist· es, beharrlich der deutsch-französischen  Versöhnung gedient und die deutsch-französische Freundschaft erreicht zu haben. Schon das allein, sichert ihm einen hervorragenden  Platz in der deutschen und europäischen Geschichte. Die Freien Demokraten werden dem Bundeskanzler der gemeinsamen Regierungszusammenarbeit, aber auch dem politischen Gegner Konrad Adenauer aus der Zeit harter Auseinandersetzungen ein ehrendes Andenken bewahren. Für mich persönlich war und bleibt Konrad Adenauer ein Ideal an Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl.

 

Quelle: Bundespresseamt, Abt. Nachrichten. Rundfunkaufnahme des WDR, 19.04.1967