23/24. Juli 1931: Pressenotiz über die Kreditlage der Stadt Köln bei der Rheinischen Landesbank

In verschiedenen, insbesondere westdeutschen Blättern erscheinen offenbar aus derselben Quelle herrührende Nachrichten über eine unzulässige Bevorzugung der Stadt Köln durch die Landesbank der Rheinprovinz bei der Hergabe von Krediten mit der Folge, dass da­durch die Illiquidität der Landesbank herbeigeführt worden sei. Diese Mitteilungen werden begleitet von Angriffen persönlicher Art gegen Oberbürgermeister Dr. Adenauer, Landeshauptmann Dr. Horion und Geheimrat Dr. Hagen. Es wird behauptet, dass die drei Letzteren allein über die Vergebung der Kredite zu entscheiden gehabt hätten. Es wird weiter gesagt, dass Generaldirektor Bell früher mittlerer Be­amter der Stadt Köln gewesen sei, dass er Oberbürgermeister Dr. Adenauer die Berufung auf seinen jetzigen Posten verdanke und diesem gegenüber nicht die nötige Widerstandskraft gezeigt habe. Weiter ist die Rede davon, dass eine Untersuchungskommission, die sich mit den Vorkommnissen der Landesbank beschäftigen solle, ein­gesetzt sei und dass in dieser die drei genannten Mitglieder des Kura­toriums maßgebend tätig seien.

Hierzu erklärte Oberbürgermeister Dr. Adenauer:

Die obigen in der Presse erschienenen Angriffe sind sämtlich unwahr. Die Vergebungen der Kredite durch die Landesbank, sowohl der langfristigen wie der kurzfristigen, geschah nicht durch irgendeinen Ausschuss, sondern durch die Generaldirektion der Landesbank auf Grund von allgemeinen Richtlinien des Verwaltungsrats. Die Nach­prüfung der gewährten Kredite erfolgte durch einen Revisions-Ausschuss, dem keiner der oben genannten Herren angehörte. Die Stadt Köln hat an langfristigen Darlehen von der Landesbank 44 Mil­lionen RM erhalten, an kurzfristigen Darlehen 34 Millionen RM. Die Stadt Köln liegt damit ganz erheblich, und zwar 17%, unter dem Durchschnitt der den sämtlichen Gemeinden der Rheinprovinz, großen und kleinen, von der Landesbank gewährten Kredite. Die Landes­bank hat insgesamt den Gemeinden und Kommunalverbänden der Rheinprovinz an langfristigen und kurzfristigen Krediten 678 Mil­lionen RM gegeben. Die Stadt Köln hat insgesamt erhalten 78 Mil­lionen RM = 11,51% der gesamten Kredite, während sie an der Provinzialumlage, die das finanzielle Rückgrat der Provinz und damit der Landesbank ist, mit 13,88% beteiligt ist. Gegenüber den Behaup­tungen, die Illiquidität sei durch Nichtzahlung der Stadt Köln ent­standen, wird festgestellt, dass zur Zeit des Eintritts der Illiquidität der Landesbank keine Kredite der Stadt Köln fällig waren; umge­kehrt hatte die Sparkasse der Stadt Köln erhebliche fällige Forde­rungen gegen die Landesbank, durch deren nicht rechtzeitige Rück­zahlung gewisse Schwierigkeiten entstanden waren, die aber recht­zeitig überwunden werden konnten.

Der Ausschuss, der vom Verwaltungsrat nach dem Eintritt der Illi­quidität eingesetzt worden ist, ist nicht, wie in Pressemitteilungen fälschlich angegeben, eine Untersuchungskommission, sondern man hat aus dem vielköpfigen Verwaltungsrat einen kleineren Ausschuss gewählt, damit er schneller alle Schritte tun könne, die zur Besserung der Lage der Landesbank nötig erschienen. Dem Ausschuss gehören außer den genannten Herren an die Herren Oberbürgermeister Dr. Jarres, Bürgermeister Dr. Matzerath und Landrat Boden. Die Landesbank wird alljährlich von einer Treuhand-Gesellschaft, und zwar ab­wechselnd von einer öffentlichen und einer privaten, nachgeprüft. Die letzte Nachprüfung war im April ds. Js.; sie hat nicht zu Beanstandungen geführt. Der Verwaltungsrat hat sofort nach Eintreten der Schwierigkeiten beschlossen, eine neue Nachprüfung durch die Zentralrevisionsstelle des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes vornehmen zu lassen. Diese Nachprüfung wird Anfang nächster Woche beendet sein. Alsdann wird der Verwaltungsrat mit einer Er­klärung an die Öffentlichkeit treten. Die Landesbank hat irgendwelche satzungswidrigen Geschäfte nicht gemacht, insbesondere keine privaten Kredite gewährt.

 

24.7.1931

Im Nachgang zu seiner Erklärung vom 23. Juli über die von der Lan­desbank der Rheinprovinz der Stadt Köln gewährten Kredite teilt Oberbürgermeister Dr. Adenauer noch folgen­des mit:

Unter den erwähnten 44 Millionen RM langfristiger Kredite der Lan­desbank an die Stadt Köln befinden sich 17 Millionen RM, die der Landesbank als langfristiges Darlehn für die Stadt Köln von dritter Seite zur Verfügung gestellt worden sind, so dass der Stadt Köln von der Landesbank selbst nur 27 Millionen RM langfristige Kredite oder zusammen mit den kurzfristigen Krediten insgesamt 61 Millionen RM zur Verfügung gestellt worden sind.

Quelle: Historisches Archiv der Stadt Köln, Abt. 902, Nr. 91/4. Maschinen­schrift, ohne Unterschrift. Abgedruckt in: Morsey, Rudolf: Vom Kommunalpolitiker zum Kanzler. In: Konrad Adenauer. Ziele und Wege. Mainz 1972, S. 70-72.