31. Januar 1926: Ansprache zur Feier anlässlich der Räumung Kölns von britischer Besatzung

Die Stunde ist gekommen, die so heiss, so inbrünstig ersehnte, der Tag der Freiheit ist angebrochen! Unsere Herzen fliegen empor, empor zu Gott dem Allmächtigen. Dank sei ihm, der uns gestärkt hat in schwersten Tagen, der uns geführt hat durch Not und Gefahr! Vereint sind wir wieder mit unserm Staate, unserm Volke, unserm Vaterlande, vereint und frei nach sieben Jahren der Trennung und Unfreiheit! In gemeinsam getragener, gemeinsam überwundener Not erwächst die treueste Kameradschaft. Ihr, deutsche Volksgenossen in den noch besetzten Gebieten habt mit uns Schulter an Schulter gestanden. Euch, die ihr noch der Freiheit entbehrt, grüssen wir in dieser Stunde in Liebe und Treue!

Schweres haben wir erdulden müssen durch die harte Faust des Siegers in sieben langen Jahren. Heute, in dieser weihevollen Stunde lasst uns davon schweigen; ja wir wollen gerecht sein, trotz vielem, was uns widerfahren ist, wir wollen anerkennen, dass der geschiedene Gegner auf politischem Gebiet gerechtes Spiel hat walten lassen. Hoffen wir, dass unsere Leidenszeit nicht umsonst gewesen ist, dass nunmehr ein wahrhaft neuer Geist in die Völker Europas einzieht. Die Grundsätze des Rechts und der Moral, die für das Verhältnis der Einzelmenschen zueinander gelten, die jeden Menschen als frei und gleich und gleichberechtigt erklären, diese Grundsätze müssen auch in Wahrheit, nicht nur in Worten, Geltung erhalten für die Gesellschaft der Völker!

Brüder, Schwestern! Wir sprechen die gleiche Sprache, wir lieben die gleiche Heimat. Ob reich, ob arm, ob links, ob rechts: die innersten und tiefsten, die menschlichsten Gefühle sind uns allen gemeinsam. Gemeinsame Not haben wir getragen, erfahren haben wir, was Schicksalsgemeinschaft ist. Wenn jetzt die Last von uns genommen wird, wenn wir hinaustreten in die Freiheit, dann lasst uns das niemals vergessen! Dieser Platz wurde dereinst geweiht durch die Worte: „Dem Geiste deutscher Einigkeit und Kraft sollen diese Dompforten Tore des herrlichsten Triumphes werden." Auf diesem geheiligten Platze haben die fremden Truppen gestanden; lasst uns ihm von neuem die Weihe geben! Ein Symbol der deutschen Einheit und Einigkeit ist unser Dom, wie Schwurfinger ragen seine mächtigen Türme empor in den nächtlichen Himmel.

Wohlan! heben auch wir zum Schwur die Hand! Und Ihr Alle in deutschen Landen, die Ihr jetzt im Geiste bei uns weilt, schwört mit uns! Schwören wir Einigkeit, Treue dem Volke, Liebe dem Vaterlande! Ruft mit mir; Deutschland, geliebtes Vaterland, hoch! hoch! hoch!

Quelle: ARh, maschinenschriftliches, handkorrigiertes Redemanuskript.