4. Februar 1956: Ansprache auf der Jahrestagung der „Gemeinschaft für christlich-soziale Schulung und öffentliche Meinungsbildung" in Bonn (Auszug)

Damm gegen den Kommunismus! - Der Bundeskanzler zur Aufgabe christlicher Politik

Die Aggression des Kommunismus müssen wir sehr ernst nehmen. Es handelt sich hier um eine sozialpoliti­sche Frage allererster Ordnung. Ich bin nicht der Auffassung, daß die christliche Wahrheit von selbst siegt. Sie siegt nur dann, wenn sie von den Menschen praktiziert und gezeigt wird. Ich glaube aber, daß gerade eine Partei wie die CDU/CSU, die die christlichen Grundsätze als Fundament hat, mehr als jede andere Partei be­rufen und auch stark genug ist, um diesen weltanschaulichen Kampf gegenüber dem Kommunismus zu beste­hen. Den christlichen Parteien ist eine Aufgabe erwachsen größten Ausmaßes, und sie besteht darin, einen starken Damm zu bilden gegenüber dem Kommunismus. Es handelt sich dabei nicht um einen Kampf von nur mehreren Jahren, es wird sich um einen langen, langen Kampf handeln. Wir leben in einer entscheidenden Epoche, und in einer solchen zu leben bringt große Verantwortung und große Sorgen. Es ist aber auch ein Geschenk des Himmels, daß einem vergönnt ist, in einer solchen Epoche zu leben und zu arbeiten. Nach meiner festen Überzeugung ist es nicht nur möglich, sondern sicher, daß, wenn wir wollen, wir, die wir auf dem Boden der christlichen Humanitas stehen, der kommunistischen Aggression Einhalt gebieten können. Wir wer­den Erfolg haben, wenn wir eins sind im Willen, eins sind in der Tat und wenn wir bereit sind, Opfer zu bringen. Ich habe manchmal den Eindruck, daß infolge der großen und schweren Schäden, die wir durch den Krieg erlitten haben, der materialistische Zug unendlich viel stärker geworden ist als er vorher war und daß die Erkenntnis, daß das Geistige schließlich das Höhere ist und auch die Grundlage der materiellen Wohlfahrt, daß diese Einschätzung des Geistigen in allen Schichten unseres Volkes verheerend gesunken ist. Nur mit Verdienen und nochmals Verdienen werden wir die Freiheit unseres Landes, die Freiheit der Person, nicht retten. Wir müssen den Blick weiten und das Ganze zu sehen versuchen, keine Einzelprobleme! Einzelproble­me müssen gelöst werden, das ist selbstverständlich. Aber man muß das Ganze sehen, weil das Ganze eben auch gefährdet ist.

Quelle: Politisch-Soziale Korrespondenz vom 15.02.1956, 5. Jg., Nr. 4, S. 5.