10. März 1964: Ansprache bei der Abiturientenentlassungsfeier des Staatlichen Apostelgymnasiums zu Köln

Verehrter Herr Oberstudiendirektor!
Meine Damen und meine Herren!
Meine lieben Schüler - und jetzt schließe ich doch die Konzertantinnen ein: meine Schülerinnen! -
und vor allem: Ihr, meine lieben Abiturienten!

Ich danke Ihnen sehr, Herr Oberstudiendirektor, für Ihre Worte, die Sie an die Jubilare richteten, auch an mich richteten, vor allem aber möchte ich Ihnen herzlich danken für die ausgezeichneten Worte, die Sie an uns alle gerichtet haben und aus denen der wahre Geist des alten Apostelgymnasiums sogar in verbesserter Form wiederkehrt. Ich will nun nicht zurückkehren in Erinnerungen, meine verehrten Damen und Herren. Wir alle, die wir auf der Schule, auf der Penne mal gewesen sind, wissen Bescheid, wir brauchen also darüber uns nichts vorzumachen. Aber immerhin, ich bin doch sehr glücklich über den Geist, der aus dem Ganzen sprach, was Sie gesagt haben, und ich kann mir vorstellen, daß dieser Geist, wenn er von der leitenden Persönlichkeit einer Schule ausgeht, tatsächlich diese ganze Schule erfüllt. Nun, meine lieben Abiturienten, ich will nicht sprechen, daß Sie jetzt ins Leben treten, das wissen Sie genau so gut, wie ich das weiß. Aber ich möchte Ihnen eins ans Herz legen: Zunächst - denken Sie oft, wenn Sie im Leben stehen, an die Atmosphäre des Apostelgymnasiums zurück. Denken Sie an das, was Sie da gehört haben und was Sie da erlebt haben, und denken Sie daran, daß diese Schule eine Tradition hat, daß Sie von dieser Tradition etwas mit sich genommen haben und daß Sie diese Tradition dann später im Leben auch zum Ausdruck bringen müssen. Ich erblicke es gerade als eine wesentliche Aufgabe eines solchen Gymnasiums, eine Tradition zu pflegen und weiterzugeben an die kommenden Generationen.

Und noch eins, meine lieben Abiturienten, möchten ich Ihnen auch ans Herz legen: Versuchen Sie, eine Persönlichkeit zu werden! Ich meine, gerade der Besuch, der vieljährige Besuch eines solchen Gymnasiums verpflichtet auch, und er verpflichtet Sie und gibt Ihnen die schöne und große Aufgabe, eine Persönlichkeit zu werden. Und das ist ja in den Zeiten der Vermassung, in denen wir nun leider Gottes leben müssen, eine ganz wesentliche Aufgabe. Und denken Sie immer daran, daß man eine Persönlichkeit wird nicht durch Gesten, sondern daß man nur eine Persönlichkeit wird durch Taten und Handeln, und handeln Sie immer so, wie Sie es im Geiste des Apostelgymnasiums tun müssen. Das ist mein herzlicher Gruß an Sie und mein Wunsch für Ihr zukünftiges Leben.

Quelle: Staatliches Apostelgymnasium zu Köln: Jahresberichte über die beiden Kurzschuljahre 1966 und 1966/67. Köln 1967, S. 18f.