28. Februar 1967: Ansprache in München bei einem Festakt der Deutschland-Stiftung

Ich glaube, die Deutschland-Stiftung ist heute in einer glanzvollen Weise an die breite Öffentlichkeit getreten, und ich glaube, sie hat klar zum Ausdruck gebracht, was sie will.

Lassen Sie mich jetzt ein Wort sagen für das deutsche Volk. Das deutsche Volk, meine Damen und Herren, und das möchte ich auch dem Ausland sagen, hat seit dem Jahre 1914 so viel über sich hinweggehen sehen und ertragen müssen, dass man nicht verlangen kann, dass es das alles schon überwunden hat und wieder gesund geworden ist. Sie sehen: 1914 bis 1918, der Erste Weltkrieg, der damit schloss, dass die ganzen obersten Autoritäten hinweggefegt wurden. Dann kam die Zeit zwischen 1918 und 1932, 1933, Zeit der Versuche und - die wenigsten denken daran - eine Zeit namenlosen Elends, des Hungers; und wer, wie das mir verschiedentlich begegnet ist, gesehen hat, wie aufständische Arbeiter erschossen wurden, von der Polizei erschossen werden mussten, denn die Polizei tat ihre Pflicht - aber immerhin, es waren doch Deutsche, die auf der Straße lagen -, wer das erlebt hat, der wird das niemals vergessen. Und was kam dann über das deutsche Volk? Der Nationalsozialismus! Meine Damen und Herren: eine schreckliche Sache. Und ich habe genug durch ihn erfahren, um mein Urteil fällen zu können. Ich will hier jetzt kein Reuebekenntnis ablegen für das deutsche Volk, aber ich will nur in das Gedächtnis zurückrufen, was der Nationalsozialismus uns auch geistig geschadet hat. Vor wenigen Wochen sprach ich einen amerikanischen Journalisten, der schon seit Jahren hier in München lebt, einen Mann, den ich sehr achte und schätze seit Jahren. Und er sagte mir etwas, was mir bis dahin noch niemand gesagt hat: Er sagte, dass die Deutschen gegeneinander nicht mehr ehrlich seien. Ich habe ihm darauf erwidert: Wenn das richtig ist, dann ist es eine Folge des Nationalsozialismus, der so manchen gezwungen hat, sein wahres Gesicht zu verbergen. Und nach dem Nationalsozialismus kam der völlige Zusammenbruch Deutschlands im Jahre 1945, und bis wir schließlich wieder zu einem staatlichen Zusammenfassen kamen im Jahre 1949, waren vier weitere bittere und ernste Jahre vergangen. Das sage ich aus zwei Gründen, einmal - und das richtet sich auch an das Ausland, was ich jetzt sage -, dass man über das deutsche Volk nicht so hart urteilen darf, und zweitens sage ich das, weil ich möchte, aus ganzer Seele möchte, dass das deutsche Volk von der Jugend an bis zum Alter wieder gesundet.

Und dazu, meine verehrten Anwesenden, soll auch die Deutschland-Stiftung ihr Scherflein beitragen, und ich glaube, der heutige Abend zeigte, dass sie dazu imstande ist. Aber ich glaube, wir alle müssen aus dem heutigen Abend lernen unsere Pflichten gegenüber dem Volk, damit das deutsche Volk wieder in die Höhe kommt - nicht in die materielle Höhe, daran denke ich nicht, sondern in die geistige Höhe.

Meine verehrten Damen und Herren, ich begrüße hier insbesondere die Worte, die hier erklungen sind gegen den Materialismus. Er ist in der Tat der größte Feind des deutschen Volkes. Und ihm müssen wir zu Leibe gehen, wo wir können, und müssen überall sagen, dass das Materielle nicht das Entscheidende ist. Sicher, es hat seine große Bedeutung, aber es ist nicht entscheidend. Das Entscheidende ist die Liebe zum Nächsten und die Liebe zu unserem Volk.

Quelle: StBKAH, maschinenschriftliches Redemanuskript.