25. Dezember 1949: Weihnachtsansprache über alle deutschen Rundfunksender

Dies Weihnachtsfest können viele von uns zusammen mit ihrer Familie feiern, voll Dank dafür, dass unser Weg - wenn auch langsam - bergauf führt. Viele von uns haben noch ein Heim oder haben wieder ein Heim. Die meisten von uns haben Arbeit und Brot. Wenn wir vier, ja, wenn wir nur zwei Jahre zurückdenken, dann wird uns der große Unterschied, der seitdem eingetreten ist, deutlich. Sicher, es ist noch lange nicht alles so, wie wir es uns wünschen. Vor allem die vielen Vertriebenen und Ausgebombten leben zum Teil noch immer unter sehr drückenden Verhältnissen. Ihrer wollen wir besonders gedenken in diesen Tagen und versuchen, ihnen ihre Lage zu erleichtern, wenn nicht anders, dann wenigstens durch ein freundliches, teilnehmendes Wort. Den Kriegsgefangenen und Verschleppten gilt ein besonders herzlicher Gruß an diesem Feste. Vielleicht können wir mit Recht hoffen, dass die Tragödie der Kriegsgefangenen und Verschleppten - dank auch der Bemühungen der Hohen Kommissare - im kommenden Jahr zu Ende geht. Wir wollen in diesen Tagen einmal die Stille pflegen und Einkehr bei uns selbst halten. Wenn wir die hinter uns liegende Katastrophe noch einmal in unser Gedächtnis zurückrufen, uns vor Augen halten, wie es bei uns aussah, dann sehen wir, dass doch vieles erreicht ist. Das Wort der Engel in der Heiligen Nacht: „Friede den Menschen, die eines guten Willens sind", ist eine Verheißung, an die wir glauben. Wir hoffen, dass der Menschheit der Friede geschenkt wird.

Quelle: Konrad Adenauer: Nachdenken über die Werte. Weihnachtsansprachen. Buxheim/Allgäu o. J. (1976).