25. Dezember 1954: Weihnachtsansprache über die "Deutsche Welle" an die Deutschen im Ausland

"Alle Jahre wieder kommt das Christuskind" haben eben die Kölner Jungen und Mädchen gesungen, und Euch, meine lieben deutschen Landsleute jenseits der deutschen Grenzen in aller Welt, gilt dieser Gruß aus der Heimat vom schönsten deutschen Familienfest. Auch in diesem Jahre feiern wir Weihnachten in einer von gewaltigen Spannungen erfüllten Welt. Zwar hat das nun bald zu Ende gehende Jahr manche Brandherde auszulöschen versucht, aber von einem wirklichen Frieden in der Welt kann leider noch nicht die Rede sein.

Weihnachten ist das Fest des Friedens. Darum wollen wir gerade an ihm besonders um den Frieden beten. In allen deutschen Kirchen wird die Botschaft des Friedens verkündet. Wir wollen sie tief in unser Herz aufnehmen. Angesichts des Kölner Domes, dieses altehrwürdigen Wahrzeichens christlich-deutscher und christlich-abendländischer Kultur, werden wir nun den Christbaum entzünden im Gedenken an alle deutschen Menschen jenseits unserer Grenzen. Hier von Köln aus dringt ja die Stimme der Heimat über die "Deutsche Welle" zu den Deutschen in aller Welt.

Aus Köln kommt zu Ihnen, meine Zuhörer, jeden Tag Kunde aus der Heimat, von ihrem Ergehen, von ihren Sorgen und Nöten, vom Leben und Streben des deutschen Volkes. Und als Bote kommen ungezählte Briefe aus allen Teilen der Welt hierhin, in denen Sie dort draußen Ihre Verbundenheit mit der Heimat zum Ausdruck bringen. Der Christbaum, der im Gedenken an Sie, meine Zuhörerinnen und Zuhörer, hier von der Stadt Köln in Gemeinschaft mit der "Deutschen Welle" errichtet und entzündet wird, soll ein Sinnbild sein der Zusammengehörigkeit aller deutschen Menschen in der Heimat und auf dem weiten Erdenrund. Sein Licht möge hinausleuchten in die deutschen Wohnungen der anderen Kontinente und Länder, möge vor allem auch leuchten jenen, die heute noch getrennt von uns in Unfreiheit leben.

Das Licht des Christbaums ist ein Licht des Friedens, den herbeizuführen unsere ganze Kraft und unsere ganze Arbeit gilt. Das deutsche Volk will die Gemeinschaft der Völker und einen Frieden, der sich auf die Zusammenarbeit der Völker stützt. Diese unsere Arbeit und unser Streben hat uns in der Welt Vertrauen und Ansehen wiederverschafft. Ihr, meine lieben Landsleute im Ausland, wißt dies gewiß noch mehr zu würdigen als wir in der Heimat. Ihr spürt ja ständig, täglich und stündlich, daß das Ansehen Deutschlands Euch bei der Arbeit, bei Eurem Aufenthalt in der weiten Welt hilft.

Helft uns zu Eurem Teil, den erfolgreich beschrittenen Weg zu gehen, indem Ihr Euch jeder an seiner Stelle als Vertreter unseres Volkes fühlt und danach handelt. Heute dringt die Stimme der Heimat zu Euch aus einem zerrissenen Vaterlande. Unser Weihnachtswunsch ist, daß bald die Wiedervereinigung in Friede und Freiheit kommt, damit dann das ganze deutsche Volk vereint seine Aufgaben im Kreise der friedliebenden und freien Völker erfüllen kann.

Wir alle, wir in der Heimat und Ihr in der Fremde, wir alle wollen zusammenstehen, um dieses Ziel zu erreichen. So grüße ich heute alle Deutschen jenseits der Grenzen der Bundesrepublik. Ich wünsche allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute im kommenden Jahr.

Quelle: Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung Nr. 239 vom 21. Dezember 1954, S. 2209.