25. Dezember 1962: Ansprache zu Weihnachten und zum Jahresende in der "Deutschen Wochenschau"

Meine lieben Landsleute!

Ihnen allen, Ihnen und Ihren Familien, wünsche ich von Herzen ein schönes und gesegnetes Weihnachtsfest. Der Christbaum, der mit Lichtern geschmückte Baum und die Krippe sind die schönen Symbole unseres Weihnachtsfestes. Aber über alledem steht die Heilsbotschaft, die in der Heiligen Nacht gesprochen worden ist für alle Menschen: Friede den Menschen auf der Erde.

Und in Wahrheit: um den Frieden wollen auch wir Deutsche bitten zu Weihnachten, und wir wollen für den Frieden arbeiten. Denn Frieden und eine wirkliche Entspannung auf der gesamten Welt gibt es nur dann, wenn alle Völker sich mit aller Kraft für die Sache des Friedens einsetzen.

Das Jahr, das in wenigen Tagen zu Ende geht, hat vor allem in Kuba gezeigt, wie gefährlich unsere Zeit ist. Aber gerade das Abenteuer der Russen in Kuba hat auch gezeigt, wie stark die vereinigten freien Mächte sind, wenn sie zusammenstehen und zusammenhalten.

Wir Deutsche sind fest entschlossen, wie früher so auch jetzt und in Zukunft fest zu stehen zu unseren westlichen Verbündeten, zu den freien Partnern. Die Politik der freien Welt garantiert uns unsere Freiheit und unsere Sicherheit, und die Einigkeit der freien Völker wird auch eines Tages Berlin von seiner Last befreien und wird die Zone in Freiheit zu uns zurückführen.

Am Jahreswechsel fragt sich wohl jeder, was wird das neue Jahr bringen? Ich glaube, kein Mensch in der Welt kann mit Sicherheit sagen, was das Jahr 1963 bringen wird. Aber eines ist ebenso sicher: dass die freien Völker auch im Jahre 1963 Geduld und Entschlossenheit aufbringen müssen.

Auf uns in der Bundesrepublik warten im Jahre 1963 schwierige innenpolitische und außenpolitische Aufgaben.

Ich habe gesprochen über unsere Haltung zur Außenpolitik; lassen Sie mich ein Wort zur Innenpolitik sagen.

Es harren der Lösung schwierige finanzielle, soziale und wirtschaftliche Fragen. Wir sollten immer daran denken, dass unser Schicksal, das Schicksal aller Deutschen, ein gemeinsames Schicksal ist, und kein Stand sollte für sich so viel verlangen, dass die gesamte Wirtschaft darunter Schaden leidet. Wir sollten auch immer daran denken, dass wir vieles erreicht haben, in verhältnismäßig kurzer Zeit, in wenigen Jahren, und dass es nun gilt, vielleicht seine Forderungen auf mehr Jahre auszudehnen, als man das früher gewohnt war. Wir sollten aber vor allem auch dankbar dafür sein, dass das erreicht worden ist.

Dieses Gefühl der Dankbarkeit gibt Vertrauen für die Zukunft, und wir sollten einig und geschlossen sein im ganzen deutschen Volke gegenüber großen nationalen Aufgaben, die vielleicht im Jahre 1963 an uns herantreten werden.

Bei allen Wünschen und Forderungen, die jeder von uns hat, sollten wir nie vergessen und daran denken, was wir erreicht haben. Das gibt dann auch Vertrauen für die Zukunft, und wir sollten auch daran denken, dass man manchmal ein etwas leichteres, etwas gemäßigteres Tempo einschlagen muss. Wir sollten aber immer auch daran denken, dass wir nie solche Forderungen stellen, dass dadurch das gefährdet wird, was wir erreicht haben, und vor allem, wir wissen - ich sagte es eben - nicht, was das Jahr 1963 bringen wird an großen nationalen Forderungen. Wenn große nationale Aufgaben an uns herantreten im Jahre 1963, müssen wir alle einig und geschlossen ihnen gegenübertreten.

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Mitschrift der Aufnahme für die Deutsche Wochenschau vom 17.12.1962.