4. Oktober 1917: Schreiben der Synagogengemeinde Adass Jeschurun, Köln, an Bürgermeister Adenauer, Köln

Ew. Hochwohlgeboren

erlaubt sich der ergebenst unterzeichnete Vorstand der Synagogengemeinde Adass Jeschurun in Köln zu Ihrer Wahl als Bürgermeister seinen herzlichsten Glückwunsch auszusprechen. Wenn mit der gesamten Bürgerschaft auch der Vorstand unserer Gemeinde diese Wahl mit besonderer Freude und Genugtuung begrüßt, so geschieht dies aus dem Gefühl tiefer und aufrichtiger Dankbarkeit, die die Gemeinde Ew. Hochwohlgeboren schuldet. Konnte die Gemeinde, getreu ihren Grundsätzen, auch während und trotz der harten und prüfungsreichen Kriegsnot die Vorschriften ihrer heiligen Religion auf dem für sie so überaus wichtigen Gebiet der Nahrungsmittelversorgung bisher hochhalten und durch­führen, so verdankt sie dies in erster Linie dem verständnisvollen und allzeit bereitwilligen Entgegenkommen, das sie bei Ew. Hochwohlgeboren gefunden hat. Möge ihr das ihr bisher in so reichem Maße bewiesene Vertrauen auch fer­nerhin bewahrt bleiben. Möge die gütige Vorsehung, die Ew. Hochwohlgeboren aus schwerer Lebensgefahr glücklich errettet hat, es fügen, dass dem allseits verehrten neuerwählten Oberhaupt unserer geliebten Vaterstadt eine lange und reich gesegnete Tätigkeit beschieden sei.

Ew. Hochwohlgeboren

ganz ergebener

Vorstand der Synagogengemeinde Adass Jeschurun Köln

[unleserlich]

Antwort Adenauers vom 08.10.1917

Quelle: StBKAH, NL Adenauer 01.02. Abgedruckt in: Konrad Adenauer 1917-1933. Dokumente aus den Kölner Jahren. Hrsg. v. Günther Schulz. Köln 2007, S. 258f.