20. Dezember 1926: Ludwig Kaas an Adenauer, aus Trier

Antwort auf die Schreiben Adenauers vom 02.12.1926 und 16.12.1926

Hochverehrter Herr Oberbürgermeister!

Zunächst bitte ich vielmals um Entschuldigung, dass ich infolge längerer Krank­heit erst heute in der Lage bin, Ihre gefl. Anfrage wegen des Comités Pro Palästina zu beantworten. Ich selbst habe zunächst nicht unerhebliche Bedenken überwin­den müssen, ehe ich mich zum Eintritt entschloss. Den um meine Mitgliedschaft sich bemühenden Herren habe ich mit aller Deutlichkeit erklärt, dass ich den Zionismus in der Form eines jüdischen Sonderstaates in Palästina ablehne. Erst nachdem mir versichert worden war, dass es sich hauptsächlich um die Förde­rung der jüdischen Siedlungen in Palästina ohne rechtliche Beeinträchtigung christlicher Interessen handele, und nachdem ich mich vergewissert hatte, dass andere „unverdächtige" Persönlichkeiten ihren Beitritt bereits vollzogen hatten, habe ich meine Bedenken beiseite gestellt. Zu den genannten Persönlichkeiten rechne ich beispielsweise:

Graf Bernstorff, Professor Bredt, Professor Hoetzsch, v. Kardorff, Kultusmi­nister Becker, Ministerpräsident Braun, Staatsekretär Schubert, Professor Kahl, Staatsekretär Pünder usw. Im übrigen bekenne ich mich, wenn auch einigerma­ßen klopfenden Herzens, schuldig, die Anregung, Sie um Ihren Beitritt zu bitten, selbst gegeben zu haben. Neben Ihnen habe ich noch Herrn Dr. Wirth vorgeschla­gen. Nachdem Staatssekretär Dr. Pünder und Kultusminister Dr. Becker auf der Gründungsversammlung sich so prononciert freundlich ausgesprochen haben, möchte ich glauben, dass auch Sie keine Bedenken zu haben brauchten, Ihren Beitritt zu erklären.

Mit verehrungsvollen Grüßen und herzlichen Wünschen zu den kommenden Festtagen

bin ich Ihr stets treu ergebener

Kaas

Antwort Adenauers vom 22.12.1926

Quelle: HAStK 902/285/1. Abgedruckt in: Konrad Adenauer 1917-1933. Dokumente aus den Kölner Jahren. Hrsg. v. Günther Schulz. Köln 2007, S. 265f.