18. und 19. April 1952: Notizen des Journalisten Schütz über Gespräche mit Elliot, Crossmann und Scott über deren Unterredungen mit Bundeskanzler Adenauer

Gespräche mit Walter Elliot, Crossmann und Richard Scott, über deren Unterredungen mit Dr. A[denauer] am Freitag, dem 18. April 1952 nachmittags im Büro und am 19. April 1952 vormittags im Privathaus Dr. A[Adenauer]s.


Übereinstimmender Eindruck, dass klare Forderung von deutscher Seite erhoben wird. Es darf nicht verhandelt werden.

Jegliche Form der Neutralität wird rückhaltlos abgelehnt.

Das Nichtzustandekommen der Integration würde zur Bolschewisierung Deutschlands führen. Begründung dieser Theorie mit dem Hinweis dar­auf, dass die Vereinigten Staaten sich in einem solchen Fall zu­rückziehen und ihre finanziellen Zuwendungen unterbinden würden, so dass Verelendung eintreten müsse.

Die Frage der englischen Besucher, warum Deutschland nicht wie die meisten anderen Staaten als selbständiger Staat zu existieren wage, wird beantwortet mit der Erklärung, das deutsche Volk sei zu krank und zu schwach auf Grund dessen, was es durchgemacht, als dass ihm Eigenstaatlichkeit zugetraut werden könne.

Die Frage, ob noch [vor] Unterzeichnung des Generalvertrags und Verteidigungsvertrags Verhandlungen mit dem Osten über die Wieder­vereinigung beginnen sollten, selbst wenn vor der Unter­zeichnung nichts unternommen würde, wird schroff verneint. Mindestens 3 bis 4 Jahre nach der Unterzeichnung darf über Wiedervereinigung nicht verhandelt werden.

Der Gesamteindruck der englischen Besucher läuft einheitlich darauf hinaus, dass eine für den Ausländer überraschende, vollkom­mene Übereinstimmung zwischen der Auffassung der alliierten Regie­rungen und der Bundesregierung darüber herrscht, dass jeglicher Ver­such, die Wiedervereinigung durch Verhandlungen jetzt oder in absehbarer Zeit herbeizuführen, unterbleiben müsse.

Quelle: Notizen des Journalisten Schütz vom 21. April 1952, in: BArch, NL Kaiser 18/225.