24. Dezember 1960: Weihnachtsbescherung des Bundeskanzlers für Waisenkinder

Zur Fernsehübertragung mit Dr. Adenauer am Heiligen Abend 1960

Zum elften Male beschert Bundeskanzler Dr. Adenauer in diesem Jahre die Bonner Waisenkinder. Diese Bescherungen mit dem "Onkel Bundeskanzler" sind damit nun schon feste Tradition geworden. Als der Bundeskanzler im Jahre 1950 seine Absicht äußerte, am Weihnachtsfest etwas für die Waisenkinder in der Bundeshauptstadt zu tun, da sprachen sich allerdings die Leiterinnen des evangelischen und des katholischen Waisenhauses von vornherein gegen eine Weihnachtsfeier im Advent aus, wie sie Vereine und Betriebe veranstalten. Sie wünschten, daß den Kindern die Freude auf den Heiligen Abend und das Weihnachtsfest erhalten bliebe. Der Bundeskanzler stimmte damals sofort zu, die Bescherung sollte ruhig auch am Vortag des Weihnachtsfestes stattfinden.

Seitdem fährt der Bundeskanzler in jedem Jahr am Heiligen Abend gegen 11 Uhr vom Palais Schaumburg zur Bescherung ins katholische Waisenhaus von Bonn. Um ½ 1 Uhr etwa geht es weiter zum evangelischen Waisenhaus "Probsthof" in Niederdollendorf auf der anderen Rheinseite gegenüber der Bundeshauptstadt. Von dort fährt der Kanzler nach Rhöndorf, um im Kreise seiner Familie das Weihnachtsfest zu verbringen. Staatssekretär Dr. Globke beschert als Vertreter des Bundeskanzlers die Waisenkinder im Städtischen Kinderheim Bonn-Grau-Rheindorf. Nur am Heiligen Abend 1959 mußte Dr. Adenauer den Besuch in den Waisenhäusern wegen einer Erkältung seinen Vertretern überlassen.

Im Auftrag des Bundeskanzlers betreut Heinz Lubbers, Leiter des Bonner Büros der Deutschen Welle, diese Bescherungen. Jedes Kind und jeder Angestellte der drei Waisenhäuser wird mit einer großen Weihnachtstüte beschert. Sie soll auf Wunsch des Bundeskanzlers u. a. auch eine Tafel Schokolade und eine Apfelsine enthalten, da sich Dr. Adenauer diese als Junge stets wünschte und sie nur selten auf dem Weihnachtstisch vorfand. Jedes Kind bekommt ferner ein Spielzeug geschenkt. Alle zum folgenden Osterfest schulentlassenen Kinder erhalten auf Wunsch des Bundeskanzlers eine Armbanduhr. Auch die Häuser selbst werden nicht vergessen. Jedes Jahr bekommen sie ein Sondergeschenk für die Hausgemeinschaft. In diesem Jahr wünscht sich das katholische Waisenhaus ein Epidiaskop zum Reproduzieren von Diapositiven und Photos, der evangelische "Probsthof" Experimentiergeräte für den Physiksaal und das Städtische Kinderheim besondere Lehrmittel aus den Niederlanden.

Die Fernsehkameras des Nord- und Westdeutschen Rundfunkverbands Köln übertragen in diesem Jahr die Bescherung im evangelischen "Probsthof". Dort werden nach dem Bundeskanzler der Bürgermeister von Niederdollendorf, Gilgen, und ein Vertreter der Inneren Mission sprechen. Seit 1954 finden die Fernsehübertragungen statt, abwechselnd aus dem evangelischen und dem katholischen Waisenhaus.

Quelle: Artikel im Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung Nr. 239 vom 22. Dezember 1960, S. 2323.