Rhöndorfer Ausgabe Online
An Dr. Hans Schlange-Schöningen
, Frankfurt/MainStBKAH 08.61
Sehr verehrter Herr Schlange!
Auf Ihren Brief vom 27.11. d. Js.1 depeschierte ich Ihnen wie folgt:
»Auf Brief vom 27. November empfehle Zurückhaltung. Brief folgt gleichzeitig.«
Zur Erläuterung bemerke ich folgendes:
Herr Friedensburg, der Unternehmer der ganzen Aktion, steht im Rufe, russophil zu sein. Ich glaube, das genügt zur Kennzeichnung der ganzen Aktion. Auch andere Herren von uns, z.B. Dr. Lehr, halten sich zurück. Am 11. Dezember2 kann ich mich freihalten, wenn ich rechtzeitig von Ihnen Nachricht bekomme.
Meiner Frau geht es langsam etwas besser.
Mit vielen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)
Schlange-Schöningen hatte Adenauer von einem Schreiben des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten (1945/46) Karl Geiler (1878-1953) in Kenntnis gesetzt, mit dem dieser ihn aufgefordert habe, »einen Aufruf zu unterschreiben, der eine gemeinsame Kundgebung vor der Londoner Konferenz betrifft. … Mir ist hierbei nicht ganz wohl zumute, und ich möchte gern Ihre Ansicht hören, da ich in den großen Fragen unter keinen Umständen von der offiziellen Parteimeinung der CDU abweichen möchte.«
Damit angesprochen: eine von Ferdinand Friedensburg ergriffene gesamtdeutsche und überparteiliche Initiative zur Aufhebung der Zonengrenzen, Schaffung wirtschaftlicher und politischer Einheit, Vorbereitung eines Besatzungsstatuts und Zulassung deutscher Vertreter bei der Londoner Konferenz; zum beteiligten Personenkreis und zur politischen Bedeutung vgl. Friedensburgs eigene Darstellung (Es ging um Deutschlands Einheit, S. 176-194); Hans-Peter Schwarz, Vom Reich, S. 763 f. und Werner Conze, Jakob Kaiser, S. 179f. Vgl. auch das Schreiben an Hermann Pünder vom 3.12.1947.
Schlange-Schöningen hatte um eine persönliche Aussprache »nach der nächsten Ernährungsausschußsitzung am 10. oder 11. Dezember« gebeten. Zum Zustandekommen dieses Termins konnten keine Angaben ermittelt werden.