Rhöndorfer Ausgabe Online
An Hildegard Keller
, RheydtStBKAH 07.15
Sehr geehrte Frau Keller!
Haben Sie vielen Dank für Ihren Brief vom 15.10. d. js.1. Ich komme erst jetzt darauf zurück, weil ich geglaubt hatte, irgendwie Sie zu treffen, um mündlich den Brief beantworten zu können. Aber da dafür in der nächsten Zeit anscheinend keine Aussicht besteht, muß ich mich zur schriftlichen Beantwortung entschließen.
Die Zurückhaltung gerade der evangelischen Frauen ist sehr bedauerlich. Was kann man dagegen tun?
Was den Widerstand evangelischer Theologen gegen eine christliche Partei angeht, so nimmt sich Herr Dr. Lehr dieser Sache besonders an2. Ich bitte Sie, mit ihm Verbindung über diese Frage aufzunehmen.
Die Angelegenheit Krefeld3 dürfen Sie nicht verallgemeinern. Ich glaube wirklich, daß dort besondere Umstände vorgelegen haben.
Ich danke Ihnen für Ihre Hinweise und bitte Sie, versichert zu sein, daß von mir aus alles geschieht, damit die Zurückhaltung der evangelischen Kreise schwindet. Ich hoffe, daß auch bald eine Aussprache zwischen leitenden Persönlichkeiten der evangelischen Kirche und mir stattfindet.
Mit vielen Grüßen
Ihr ergebener
(Adenauer)
Hildegard Keller hatte Adenauer von ihrem im Sommer 1946 erteilten Parteiauftrag berichtet, »die Verbindung von der Partei zur evangelischen Frauenarbeit aufzunehmen und zu pflegen. Ich bin an dieser Aufgabe ziemlich bald gescheitert, da mir klar wurde, daß die führenden Frauen der evangelischen Verbindung … fast restlos nicht zu gewinnen waren«; wesentlicher Grund: »daß einige unserer bedeutendsten und positivsten Theologen und auch sonst führende Männer der Kirche der Bildung einer ›christlichen‹ Partei ablehnend gegenüberstehen«.
Vgl. Peter Egen, Die Entstehung des Evangelischen Arbeitskreises, S. 59-64.
Vgl. das Schreiben an Karl Horster vom 24.5.1947.