Rhöndorfer Ausgabe Online
An die Schriftleitung der Zeitschrift »Der Schlüssel«
, Frankenthal/PfalzStBKAH 07.24
Sehr geehrte Herren!
Die Fragen zu 1) und 3), die Sie mir in der Anlage Ihres Briefes vom 21.11.47 stellten1, lassen sich in der augenblicklichen Situation, wie sie durch den Abbruch der Londoner Konferenz2 entstanden ist, nicht gut beantworten.
Zu 2) möchte ich folgendes sagen:
Gegen jede Korruption innerhalb der deutschen Verwaltung3 würde ich mit unnachsichtlicher Strenge einschreiten. Ich würde weiter streng vorgehen gegen Korruption, die zur Bereicherung vorgenommen wird. Gegen die Korruptionserscheinungen auf dem Gebiete der Kompensation u. dgl. würde ich erst dann mit der gleichen Schärfe vorgehen, wenn die Geldreform Tatsache geworden ist.
Ich glaube aber nicht, daß es sich lohnt, in einer Weihnachtsnummer lediglich über Korruption etwas zu sagen. Ich bitte Sie daher, zu verstehen, wenn ich unter den obwaltenden Verhältnissen bitte, von dem gewünschten Beitrag von mir abzusehen.
Mit ausgezeichneter Hochachtung
gez.: Dr. Adenauer
Im Auftrag des z.Zt. abwesenden
Herrn Dr. Adenauer abgesandt
(Sekretärin)
Die in der französischen Zone erscheinende, konfessionell und parteipolitisch ungebundene ›Wochenzeitschrift für demokratische Politik und christliche Kultur‹ hatte unter a) nach den Richtlinien »Ihres [zukünftigen] Außenministeriums« gefragt, unter b) »Was hätten Sie dem deutschen Volk am Vorabend des diesjährigen Weihnachtsfestes zu sagen?«
Vgl. EA Jg. 3 (1948), S. 1084f. – Zur Beendigung der Londoner Konferenz ist in StBKAH 02.04 eine für die DENA angefertigte Stellungnahme Adenauers (o. D., vermutlich ebenfalls vom 16.12.1947) erhalten.
Hierzu war von der nordrhein-westfälischen Landesregierung im Oktober 1947 ein ›Kommissariat zur Bekämpfung von Korruption und Mißwirtschaft‹ geschaffen worden (Leiter: Werner Jacobi); vgl. Walter Forst, Geschichte, S. 340f. und Peter Hüttenberger, Nordrhein-Westfalen, S. 302-306.