Rhöndorfer Ausgabe Online
An Major Michael A. Thomas
, Berlin-CharlottenburgStBKAH 07.03
Lieber Herr Thomas!
Haben Sie herzlichen Dank für Ihren Brief vom 17.9. d. Js., der mit großer Verspätung bei mir eintraf1.
Wir alle sind in größter Sorge wegen der drohenden Demontagen. Wenn die Liste so ausfällt, wie es den Anschein hat, fürchte ich sehr ernste und große Komplikationen. Ich weiß nicht, inwieweit die deutschen Parteien dann noch zur Mitarbeit in der Lage sein werden.
Bitte, tun Sie alles, was in Ihren Kräften steht, damit keine ernsten Situationen entstehen.
Sie werden nun Ihren Urlaub wohl ziemlich hinter sich und sich hoffentlich gut erholt haben.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr
(Adenauer)
Offensichtlich auf die Demontagepläne bezogen, hatte Thomas von Erkundigungen berichtet, die er nach Absprache mit Adenauer vorgenommen habe: »…der ursprünglich geplante Umfang nicht groß,… inzwischen auf 1/4 reduziert…, eine Überprüfung…eingeleitet…mit dem Ziel, die ganze Aktion einzustellen.«
Zum tatsächlichen Ausmaß der am 16.10.1947 erschienenen Demontageliste (sie umfasste zunächst 682 Betriebe) vgl. Peter Hüttenberger, Nordrhein-Westfalen, S. 340-342; Dieter Scriverius, Die britische Demontagepolitik, S. 95 f. und Walter Först, Die Politik der Demontage, in: ders. (Hg.), Entscheidungen im Westen, S. 116-122; vgl. auch das Schreiben an Peterheinrich Kirchhoff vom 13.10.1947.