"Manchmal gleicht es einem Wunder, wenn knapp 50 Jahre nach dem Tode Konrad Adenauers immer noch unbekannte Quellen auftauchen", erklärte Notar Konrad Adenauer, der Enkel des Bundeskanzlers Konrad Adenauer. "Das Tagebuch meines Onkels Paul Adenauer ist eine solche Entdeckung. Es handelt sich sowohl um eine Chronik, in der er seine eigene Arbeit darstellt, als auch um eine Aufzeichnung von Äußerungen, Erlebnissen und Begebenheiten des noch aktiven, später dann des zurückgetretenen Bundeskanzlers."

Paul Adenauer, der in der ersten Hälfte der 1960er Jahre im Elternhaus in Rhöndorf lebte, hat Gespräche mit seinem Vater über innen- und außenpolitische Fragen, Parteifreunde und Zeitgenossen festgehalten. Sie ergänzen die bereits in der „Rhöndorfer Ausgabe“ aus dieser Zeit publizierten Quellen und die schon vor Jahrzehnten veröffentlichten "Erinnerungen" von Konrad Adenauer.

Das Manuskript des Tagebuchs, das der Familie Adenauer bis dahin unbekannt war, kam im Sommer 2015 in die Hände von Notar Adenauer. Es gibt neue, unbekannte Einblicke in Adenauers Politik in der Endphase als Kanzler und CDU-Parteivorsitzender.

Nach Mauerbau und Bundestagwahl 1961 tobt ein heftiger Streit um Adenauers vierte Kanzlerwahl. Sein Sohn beobachtet den Vater zu Hause in Rhöndorf; er beschreibt das Ringen mit Erhard als Nachfolger im Kanzleramt und CDU-Parteivorsitz und wird zum Zeitzeugen/Chronisten des Machtzerfalls.

Zermürbt vom Zwist mit der FDP, liebäugelt Adenauer mit der SPD; mit der eigenen Partei geht er hart ins Gericht. Wahlen lassen Adenauers Kampfgeist noch einmal aufflackern. Es gilt, Kurs zu halten in den Krisen der europäischen Einigung, in dem Verhältnis zu de Gaulle und dem transatlantischen Streit um die deutsche Atompolitik. Aber auch der gesellschaftliche Wandel und das materialistische Denken treiben ihn um. Adenauers große Sorge gilt dem politischen Erbe, das der Gründungskanzler Deutschland hinterlassen will.

Die Publikation erscheint Mitte Februar 2017 im Schöningh Verlag als gemeinsame Veröffentlichung der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus und der Konrad-Adenauer-Stiftung unter dem Titel "Konrad Adenauer – Der Vater, die Macht und das Erbe. Das Tagebuch des Monsignore Paul Adenauer 1961–1966" , herausgegeben und bearbeitet von Hanns Jürgen Küsters.