Die Bayernpartei, 1946 als Sammelbecken für radikale Föderalisten und königstreue Traditionalisten des Hauses Wittelsbach gegründet, trat mit radikalen und stark föderalistisch geprägten Forderungen auf, lehnte das Grundgesetz sowie die Aufnahme von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen in Bayern ab und war nur im ersten Deutschen Bundestag vertreten. Der CSU gelang es, Wähler und Mitglieder der Konkurrenzpartei auf ihre Seite zu ziehen.

Gründung

Die Bayernpartei wurde am 28. Oktober 1946 in München von Ludwig Max Lallinger gegründet und war ein Sammelbecken für radikale Föderalisten und königstreue Traditionalisten. Aufschwung erhielt sie durch den Übertritt des CSU-Mitgründers Joseph Baumgartner am 26. Januar 1948, dem viele von der CSU enttäuschte Mitglieder und Funktionäre folgten. Von Anfang an hatte die Bayernpartei ihre gesellschaftliche Basis im süd- und südostbayerischen Raum, in Franken konnte sie nicht Fuß fassen. Nach ihrer Lizenzierung (29. März 1948) entwickelte sie sich - für kurze Zeit - zur gefährlichsten landespolitischen Konkurrenz der CSU, die zu diesem Zeitpunkt durch innerparteiliche Krisen und Flügelkämpfe gelähmt war. Die radikalen und stark föderalistisch geprägten Forderungen der Bayernpartei (u. a. Ablehnung des Grundgesetzes, Kritik an den Besatzungsmächten und der Verschlechterung der Versorgungslage, Ablehnung der Aufnahme von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen in Bayern, Kritik am Frankfurter Wirtschaftsrat), und ihre Annäherung an das Haus Wittelsbach fanden bei der Bevölkerung zunächst Anklang (17 Abgeordnete im Deutschen Bundestag 1949; 39 im Bayerischen Landtag 1950).

Niedergang

Der Niedergang hin zu einer eine Randexistenz führenden Heimatpartei begann rasch nach diesem kurzen Aufschwung. Bei den Bundestagswahlen 1953 und 1957 schaffte die Bayernpartei - als Föderalistische Union im Zusammenschluss mit anderen kleineren Parteien - den Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag nicht. Der CSU gelang es nach Überwindung ihrer internen Streitigkeiten, Wähler und Mitglieder der Bayernpartei auf ihre Seite zu ziehen, auch weil sie in gemäßigter Form Teile der von der Bayernpartei vertretenen Ideen übernahm. Ebenso trugen die Etablierung der Bundesrepublik und die verbesserte wirtschaftliche Lage dazu bei, daß die Forderungen der Bayernpartei an Zugkraft verloren. Erschwerend kam die Verwicklung der Partei in die Spielbankenaffäre 1955 hinzu.

Literaturhinweise

Unger, I.: Die Bayernpartei (1979);
Wolf, K. : CSU und Bayernpartei (21984).

Archivbestand

Institut für Zeitgeschichte, München

Quelle

Michael Hansmann/Denise Lindsay, Bayernpartei (BP), in: Becker, Winfried/Buchstab, Günter/Doering-Manteuffel, Anselm/Morsey, Rudolf (Hg.): Lexikon der Christlichen Demokratie in Deutschland. Paderborn 2002, S. 433.