1950 in Kiel gegründet, vertrat der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten die Interessen der durch Krieg und Nachkriegsereignisse Geschädigten und zog 1953 erstmals in den Deutschen Bundestag ein, scheiterte jedoch bereits bei der Bundestagswahl 1957 an der Fünfprozenthürde, fusionierte 1961 mit der Deutschen Partei und wurde in Gesamtdeutsche Partei umbenannt.

Gründung

Nach Aufhebung des 1946 für Vertriebene erlassenen Koalitionsverbots und der Parteienlizenzierung konstituierte sich der BHE unter Führung von Waldemar Kraft am 8.1.1950 in Kiel. Gleichsam aus dem Stand gewann die Partei, die sich der Interessenwahrung der durch Krieg und Nachkriegsereignisse Geschädigten verschrieb, in Schleswig-Holstein ein Viertel der Wähler. Das Verhältnis des BHE zu den Vertriebenenverbänden war nie frei von Spannungen, die durch Rivalitäten führender Funktionäre verstärkt wurden. Seit Oktober 1950 mit vier, später fünf (auf anderen Listen gewählten) Abgeordneten im Deutschen Bundestag präsent, konnte der BHE die Lastenausgleichsgesetzgebung kaum beeinflussen.

Koalitionspartner

1953 übersprang die in Gesamtdeutscher Block/BHE umbenannte Partei im Bund die Fünfprozenthürde (27 Mandate) und übernahm im 2. Kabinett Adenauer die Ministerien für Vertriebene (Theodor Oberländer) und für Sonderaufgaben (Waldemar Kraft). Die Fraktion stimmte 1955 für die Westintegration, aber gegen das Saarstatut. Die Minderheit um Kraft und Oberländer (seit 1954 Parteivorsitzender) schloss sich daraufhin der CDU/CSU-Fraktion an. Unter dem Vorsitz von Friedrich von Kessel (bis 1958), Frank Seiboth (bis 1962) und Hermann Ahrens (bis 1975) konnte sich die Partei, die mit der Integration der Flüchtlinge ihr Wählerreservoir verlor, nicht zu einer „3. Kraft" entwickeln. Bei den Bundestagswahlen 1957 und 1961 war sie an der Fünfprozenthürde gescheitert.

Fusion mit DP

Die "Flüchtlingspartei", die 1961 mit der Deutschen Partei fusionierte und in Gesamtdeutsche Partei umbenannt wurde, war zwischen 1950 und 1964 an 14 verschiedenen Landesregierungen beteiligt sowie parlamentarisch von 1953 bis 1957 im Deutschen Bundestag und bis 1966 in sechs Landtagen vertreten.

Literaturhinweise

Neumann, F.: Der BHE 1950-1960 (1968);
Winkler, Y. R.: Flüchtlingsorganisationen in Hessen 1945-1954 (1998).

Archivbestand

ACSP

Quelle

Martin Schumacher, Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE), in: Becker, Winfried/Buchstab, Günter/Doering-Manteuffel, Anselm/Morsey, Rudolf (Hg.): Lexikon der Christlichen Demokratie in Deutschland. Paderborn 2002, S. 438f.