Eine filmische Zeitreise: Die Gründerjahre der CDU 1945-1950

Konrad Adenauer am Rednerpult auf einer Veranstaltung mit Parteifreunden (Düsseldorf 1946). (Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung)

Adenauer gehört zu den Mitbegründern der CDU in der britischen Besatzungszone und hat die Leitidee, in einer interkonfessionellen Partei konfessionell bedingte politische Gegensätze zu überwinden, schon in den Anfangsjahren maßgeblich geprägt. Unter seiner Führung als Bundesvorsitzender von 1950 bis 1966 entwickelt sich die CDU zur Volkspartei.

Parteigründung

Die Gründung der Unionsparteien ist die bedeutsamste Innovation in der deutschen Parteiengeschichte seit 1945. CDU und CSU haben die seitherige Entwicklung wesentlich mitbestimmt und dem Parteiensystem zu einer ungewohnten Stabilität verholfen. Dieser Neuanfang bedeutete zugleich das Ende eines christlich-konfessionellen Parteityps, der sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt hatte. Unmittelbar nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes entstanden überall in Deutschland politische Gruppierungen, die eine interkonfessionelle Volkspartei anstrebten. Am 26. Juni 1945 veröffentlichte in Berlin ein Gründerkreis mit Andreas Hermes an der Spitze einen Aufruf zur Sammlung christlicher, demokratischer und sozialer Kräfte. In Köln fiel im Juli 1945 mit dem Aufruf für die Gründer einer Christlich-Demokratischen Partei (CDP) zugleich eine Vorentscheidung gegen die Wiedergründung der katholischen Deutschen Zentrumspartei. Bis zum Frühjahr 1946 war die Phase der Neugründung in allen vier Besatzungszonen, auf Stadt-, Kreis-, Land- oder anderer Verwaltungsebene abgeschlossen. Auf einem Reichstreffen am 14. bis 16. Dezember 1945 in Bad Godesberg hatten sich die Delegierten mit Ausnahme der bayerischen CSU auf den Namen CDU geeinigt.

Leitideen

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Die neue Partei nannte sich zur Abgrenzung von herkömmlichen Parteien Union. Die Grundsätze christlicher Staats- und Gesellschaftsverständnisses gaben ihr nach der Katastrophe des Nationalsozialismus eine geistig-moralische Orientierung für den Neuanfang. Drei Leitideen kennzeichnen die Neugründung. Die Union, der Brückenschlag zwischen katholischen und evangelischen Christen, überwand konfessionell bedingte Gegensätze in der Politik. Die Integration unterschiedlicher sozialer Schichten, früherer politischer Ausgangspositionen sowie landsmannschaftlich-föderal geprägter Unterschiede zielte auf eine umfassende Volkspartei. Schließlich beanspruchte man zur Erneuerung Deutschlands auch programmatisch die politische Führung und wollte als Mehrheitspartei die Politik bestimmen. Bis zu dem bundesweiten Zusammenschluß der CDU auf dem Goslarer Parteitag im Oktober 1950 hatten sich Wahlerfolge in den Ländern und die Durchsetzungskraft im Frankfurter Wirtschaftsrat und im Parlamentarischen Rat zu einem knappen Sieg bei der Bundestagswahl 1949 verdichtet. Programmatisch hatte die Union sich in dieser Zeit von Vorstellungen eines christlichen Sozialismus (Ahlener Programm vom 3. Februar 1947) zur Sozialen Marktwirtschaft (Düsseldorfer Leitsätze vom 15. Juli 1949) umorientiert. Bis 1949 war Adenauer zur dominierenden Führungspersönlichkeit im Westen geworden.

Führungsanspruch


Mit seiner Wahl zum ersten Bundeskanzler (15. September 1949) war auch die Entscheidung gegen den Führungsanspruch der Berliner Gründer gefallen, die unter Andreas Hermes und Jakob Kaiser sowohl eine zentrale Bedeutung für ganz Deutschland wie eine eigenständige Rolle in der SBZ beanspruchten, aber von der sowjetischen Besatzungsmacht aus ihren Ämtern verdrängt worden waren. Damit waren auch ihre außenpolitischen Brückenkonzepte und ihre Vorstellung eines dritten Weges zwischen Kapitalismus und Sozialismus gescheitert. Die bis Ende 1947 eigenständige und erfolgreiche Partei in der SBZ (über 200 000 Mitglieder) wurde bis 1952 zu einer „einschränkungslos-sozialistischen Partei" der DDR und zu einer Blockpartei (Otto Nuschke) transformiert.

Parteientwicklung


Die Entwicklung der CDU bis 1969 ist geprägt von der Rolle als dominierende Kanzlerpartei. In der Adenauer-Ära, unter dem Vorsitz Adenauers (1950-1966) sowie unter den Bundeskanzlern Ludwig Erhard (1963-1966) und Kurt Georg Kiesinger (1966-1969) erreichte die Union glänzende Wahlerfolge. Bei keiner Wahl seit 1953 kam sie auf weniger als 45% der Stimmen, 1957 erreichte sie zum einzigen Mal in der Geschichte der Bundesrepublik mit 50,2% auch die absolute Wählermehrheit. Bis 1961 hatte sie auch einen Großteil der nach 1945 neu entstandenen Klein-, Regional- oder Interessenparteien (z.B. Deutsche Zentrumspartei, BHE/GB, Deutsche Partei) ohne Reibungsverluste oder Identitätseinbußen aufgesogen und integriert.

Volkspartei


Die Volkspartei CDU entsprach organisatorisch weitgehend dem Typ einer Honoratiorenpartei mit ausgeprägt föderalem Charakter. Die Landesverbände hatten herausragende Bedeutung und kontrollierten die Kandidatenauswahl bei Landtags- und Bundestagswahlen. Die Partei finanzierte sich und die Wahlkämpfe überwiegend aus Spenden; Mitgliedsbeiträge fielen kaum ins Gewicht. Eine enge Verzahnung mit dem vorpolitischen Raum in Vereinen, Verbänden und Kirchen für Wähleransprache und Elitenrekrutierung spielte eine bedeutsame Rolle. Die zentralen programmatischen Leitbilder, die in erfolgreiche Regierungspolitik umgesetzt wurden, waren wichtige Elemente des Zusammenwachsens und des Zusammenhalts: die Soziale Marktwirtschaft als Basis für Wiederaufbau, Wohlstand und soziale Absicherung, die Westintegration als wertgebundene Außen- und Sicherheitspolitik sowie das Selbstverständnis als Europapartei und als Partei der deutschen Einheit.

Dokumentation: Der Begriff der Volkspartei im Spiegel der CDU-Parteitage

Literaturhinweise


Becker, W.: CDU und CSU 1945-1950 (1987);
Bösch, F.: Die Adenauer-CDU. Gründung, Aufstieg und Krise einer Volkspartei 1945-1969 (2001);
Buchhaas, D.: Die Volkspartei. Programmatische Entwicklung der CDU 1950-1973 (1981);
Haungs, P.: Die CDU. Prototyp einer Volkspartei, in: A. Mintzel/H. Oberreuter (Hg.), Parteien in der Bundesrepublik Deutschland (21992);
Hintze, P.(Hg.): Die CDU. Parteiprogramme (1995);
Kleinmann, H.-O.: Geschichte der CDU 1945-1982 (1993);
Konrad-Adenauer-Stiftung (Hg.): Kleine Geschichte der CDU (1995);
Niedermayer, O.(Hg.): Die Parteien nach der BT-Wahl 1998 (1999);
Schönbohm, W:: Die CDU wird moderne Volkspartei. Selbstverständnis, Mitglieder, Organisation und Apparat 1950-1980 (1985).

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Bibliographie zur Geschichte der CDU

Internettipp

Portal zur Geschichte der CDU der Konrad-Adenauer-Stiftung

Quelle


Klaus Gotto: Christlich-Demokratische Union (CDU), in: Becker, Winfried/Buchstab, Günter/Doering-Manteuffel, Anselm/Morsey, Rudolf (Hg.): Lexikon der Christlichen Demokratie in Deutschland. Paderborn 2002, S. 447-452. (Auszug)