Der 1952 gegründete Evangelische Arbeitskreis der CDU/CSU wollte auf die protestantische Wählerschaft einwirken, in der Öffentlichkeit den überkonfessionellen Charakter der Union sichtbar machen und angesichts der beträchtlichen Mehrheit der Katholiken für einen Konfessionsproporz innerhalb der Union sorgen. Erst Anfang der 1960er Jahre kam es zur organisatorischen Stabilisierung und Aktivierung des EAK.

Gründung

Der EAK wurde 1952 auf Initiative von Hermann Ehlers gegründet, der damals einflussreichsten Persönlichkeit unter den evangelischen Unionspolitikern. Unter seiner Führung verfolgte diese neue, anfänglich nur lose organisierte Vereinigung von evangelischen Honoratioren drei Ziele. In erster Linie wollte man auf die protestantische Wählerschaft einwirken und so die Wahlchancen der Unionsparteien verbessern. Damit eng verbunden war die Absicht, den überkonfessionellen Charakter der Union in der Öffentlichkeit sichtbar werden zu lassen und dafür zu sorgen, dass der Konfessionsproporz innerhalb der Union angesichts der beträchtlichen Mehrheit der Katholiken gewahrt blieb. Manche katholische Unionspolitiker argwöhnten, dass diese innerparteiliche Lobbyfunktion der Hauptzweck der Gründung des EAK sei. Schließlich sollte der EAK der geistigen Orientierung und Selbstvergewisserung der Protestanten dienen, deren weltanschauliche Wurzeln heterogener als die der Katholiken waren. Der eigentliche Anlaß für die Gründung des EAK war der Konflikt zwischen Gustav Heinemann und Adenauer über die Wiederbewaffnung, der zum Rücktritt Heinemanns als Bundesinnenminister und zu seinem Bruch mit der CDU geführt hatte. Die bevorstehende Gründung der Gesamtdeutschen Volkspartei (GVP) durch Heinemann, der als Präses der Synode der EKD eine führende Figur des deutschen Nachkriegsprotestantismus war, gab den evangelischen Unionspolitikern Anlass zur Sorge. Der Erfolg von CDU und CSU bei der Bundestagswahl von 1953, bei der die GVP scheiterte, wurde daher auch als ein Erfolg des EAK bewertet.

Stagnation

Der frühe Tod von Ehlers (1954) und dessen Nachfolger Robert Tillmanns (1955) führte zu einer Stagnation in der Entwicklung des EAK. Unter der Führung des damaligen Bundesinnenministers Gerhard Schröder (1955-1978) kam es erst Anfang der 1960er Jahre zu einer organisatorischen Stabilisierung und zu einer Aktivierung des EAK. Von katholischer Seite wurde dies vielfach als Versuch Schröders missverstanden, den EAK als „Hausmacht" zu nutzen, da er seit Ende 1961 nach Übernahme des Außenministeriums als potentieller Nachfolger Adenauers, später Erhards galt, was den jährlichen Bundestagungen des EAK öffentliche Beachtung sicherte.

Literaturhinweise

M. Klein: Der westdeutsche Protestantismus und die CDU bis zum Ende der Ära Adenauer, in: HPM 14 (2007);
G. Mehnert: Von Siegen nach Wittenberg. Das Werden, Wirken und Wollen des EAK der CDU/CSU (1992);
T. Oppelland: Der EAK der CDU/CSU 1952-1969, in: HPM 5 (1998).
Eintrag im Internetportal zur Geschichte der CDU

Archivbestand

ACDP

Quelle

Torsten Oppelland, Evangelischer Arbeitskreis der CDU/CSU (EAK), in: Becker, Winfried/Buchstab, Günter/Doering-Manteuffel, Anselm/Morsey, Rudolf (Hg.): Lexikon der Christlichen Demokratie in Deutschland. Paderborn 2002, S. 518f. (Auszug)