In der Phase des Wiederaufbaus standen vor allem zwei wirtschafts- bzw. finanzpolitische Ziele im Vordergrund: Die Einnahmenerzielung zur Deckung des erhöhten Finanzbedarfs zum Aufbau einer modernen Infrastruktur und das Schaffen wachstumspolitisch orientierter Freiräume.

Ziele

Die Bundesregierung unter Adenauer mit Wirtschaftsmininister Ludwig Erhard und Finanzminister Fritz Schäffer hat in der Phase des Wiederaufbaus vor allem zwei wirtschafts- bzw. finanzpolitische Ziele verfolgt: Die Einnahmenerzielung zur Deckung des erhöhten Finanzbedarfs zum Aufbau einer modernen Infrastruktur und das Schaffen wachstumspolitisch orientierter Freiräume. Dementsprechend lag die Staatsquote in den 1950er und 1960er Jahren mit 28% bis 30% höher als etwa in den 1920er Jahren, andererseits weitaus niedriger als heute. Die Nachkriegsphase war durch großen Kapitalbedarf gekennzeichnet. Damit die Finanzierung des Wiederaufbaus gelingen konnte, wurde zunächst die Selbstfinanzierung der Unternehmen begünstigt. Die Thesaurierung von Gewinnen wurde steuerlich begünstigt, u. a. durch Abschreibungserleichterungen. In den frühen 1950er Jahren wurde die Fremdfinanzierung verstärkt gefördert, z.B. über das Kapitalmarktförderungsgesetz von 1952.

Wirtschaftswunder

In den sog. Wirtschaftswunderjahren bis Mitte der 1960er Jahre wurde die Finanzpolitik in einem Umfeld stabilen Wachstums verstärkt verteilungspolitisch eingesetzt, etwa mit der Gewährung von Sparprämien zum Vermögensaufbau, vor allem für die Bezieher von niedrigen und mittleren Einkommen, sowie beim Kindergeld und der dynamischen Rente.

Literaturhinweise

Kirchhof, P.: Besteuerung im Verfassungsstaat (2000);
Zimmermann, H./Henke, K.-D.: Finanzwissenschaft (2001).

Quelle

Hans Reckers: Finanzpolitik, in: Becker, Winfried/Buchstab, Günter/Doering-Manteuffel, Anselm/Morsey, Rudolf (Hg.): Lexikon der Christlichen Demokratie in Deutschland. Paderborn 2002, S. 528-531. (Auszug)