Bachem, Carl (Karl)

* 22.09.1858 in Köln
11.12.1945 in Burgsteinfurt
Journalist, Historiker, Dr. jur., rk.

Übersicht

1876-1879Jurastudium in Straßburg und Berlin
1880-1886Referendar am Oberlandesgericht Köln
1880-1881Militärdienst
1880-1892Armenpfleger der Stadt Köln
1887-1892Rechtsanwalt in Köln
1889-1906Mitglied des Reichstages (Zentrum)
1890-1904Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses für Krefeld
1915-1920Chefredakteur der "Kölnischen Volkszeitung"

Biographischer Werdegan

Bereits als Student der Rechtswissenschaften zeigte der Sohn einer Kölner Verlegerfamilie, die vor allem in der Zeit des politischen Katholizismus die Meinungsführerschaft übernommen hatte, ehrgeizige Ambitionen als politisch-historischer Autor. Bachem entwickelte eine umfangreiche publizistische und dokumentarische Tätigkeit, die in der Veröffentlichung einer neunbändigen, noch heute - trotz ihres subjektiven Charakters - als unerlässliche Quelle der Parteienhistoriographie geltenden Zentrumsgeschichte gipfelte. Bachem war durch mehrere Romreisen zu einem Kenner kurialer Diplomatie und vatikanischen Verhandlungsstils geworden. In Berlin weckte er bald die Aufmerksamkeit von Ludwig Windthorst, in dessen Nähe er zu einem versierten Parlamentarier mit politischem Augenmaß aufstieg. Seine Rolle z. B. bei der Verabschiedung des Bürgerlichen Gesetzbuchs oder beim Kampf gegen das Jesuitengesetz zeigte, dass er eine einflussreiche Stellung innerhalb der Führung seiner Partei einnahm. Er setzte sich wie im „Richtungsstreit" des Zentrums 1906-1914 für eine politische Bewegung auf interkonfessioneller Grundlage ein, die aber durch übermäßige Rücksichten auf konfessionelle Sonderinteressen die Verwirklichung einer christlich-demokratischen Volkspartei noch nicht zuließ. Die beabsichtigte Gründung der CDU hat Bachem kurz vor seinem Tod als „das einzig Richtige" bezeichnet.

Literaturhinweise

Vorgeschichte, Geschichte und Politik der Deutschen Zentrumspartei, 9 Bde. (1927-1932). - R. Kiefer: Karl Bachem (1989).

Rolf Kiefer