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Blumenfeld, Erik

* 27.03.1915 in Hamburg
10.04.1997 in Lübeck-Travemünde
Kaufmann, Landesvorsitzender der CDU, ev.

Übersicht

1935-1939Studium des Bergbau- und Hüttenwesens in Berlin
1938Eintritt in den Vorstand des Familienunternehmens Norddeutsche Kohlen- und Cokeswerke
1939-1941Kriegsdienst
1941Entlassung aus der Wehrmacht wegen „halbjüdischer" Abstammung
1941Geschäftstätigkeit u. a. in Schweden; Verhaftung durch die Gestapo, Inhaftierung in den Lagern Fuhlsbüttel, Auschwitz und Buchenwald bis Herbst 1944
1946Mitgründer der Notgemeinschaft der durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen
1946-1954Vizepräsident der Handelskammer, ehrenamtlicher Leiter des Hamburger Verkehrsamtes
1946-1955Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft
1966-1970Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft
1958-1968Vorsitzender der CDU Hamburg
1961-1980MdB
1979-1989Mitglied des Europäischen Parlaments

Biographischer Werdegang

Der Hamburger Unternehmer Erik Blumenfeld ist einer der wichtigsten Fürsprecher der deutsch-israelischen Beziehungen im Deutschen Bundestag. Nachdem er seine Inhaftierung in den nationalsozialistischen Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald während des Zweiten Weltkriegs überlebt hat, tritt er 1946 in die CDU ein und beteiligt sich am demokratischen Neuaufbau der Bundesrepublik.

Kindheit und Laufbahn eines hanseatischen Kaufmannssohns

Erik Blumenfeld wird am 27. März 1915 als Sohn einer Hamburger Kaufmannsfamilie geboren. Sein Vater Ernst Blumenfeld ist ein zum Protestantismus konvertierter Jude, seine Mutter Ebba entstammt einer dänischen Gutsbesitzerfamilie. In Dänemark, auf dem Anwesen der Großeltern, verbringt Erik Blumenfeld auch die ersten Jahre seiner Kindheit. Seine Muttersprachen sind Dänisch und Englisch, das er mit seiner Kinderfrau spricht. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs lassen sich seine Eltern in Altona bei Hamburg nieder, hier wird Blumenfeld 1921 eingeschult. Da sein Vater früh verstirbt und Ebba Blumenfeld daraufhin die Leitung des Familienunternehmens übernimmt, erlebt er die letzten Jahre seiner Schulzeit als Schüler des Schlossinternats Salem in Baden. 1933 legt er sein Abitur ab.

Wie es für Söhne des Hamburger Handelsbürgertums üblich ist, absolviert Blumenfeld nach dem Ende seiner Schulzeit zunächst einen Auslandsaufenthalt in England, um kaufmännische Erfahrungen zu sammeln und seine Sprachkenntnisse zu vervollkommnen. 1935 kehrt er zurück nach Deutschland und nimmt an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg ein Studium der Geologie und Metallurgie auf. Diese Fächerauswahl soll ihm Grundlagenwissen für die Führung der Familienbetriebe, deren Umsätze auf Brennstoffhandel und-produktion beruhen, vermitteln. 1938 wird er zum Vorstandsmitglied der Norddeutschen Kohlen & Cokes Werke ernannt.

Verfolgung als „jüdischer Mischling“ im NS-Staat

Die Kriegspolitik der Nationalsozialisten bedeutet für Blumenfeld das vorzeitige Ende seines Studiums. Noch vor dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 wird er zum Militärdienst einberufen; 1940 nimmt er am Frankreichfeldzug teil. Wegen seiner rassischen Klassifizierung als „jüdischer Mischling 1. Grades“ wird er allerdings bereits im Dezember 1940 aus dem Kriegsdienst entlassen. In Hamburg kann er sich zunächst weiter der Leitung des Norddeutschen Kohlen & Cokes Werke widmen, seine Stellung ist jedoch zunehmend prekär, denn die lokalen NS-Funktionäre streben danach, die Firma und deren Vermögen unter ihre Kontrolle zu bringen. Am 7. Dezember 1942 erhält Blumenfeld wegen des vorgeschobenen Vorwurfs der „Wehrkraftzersetzung“ eine polizeiliche Vorladung. Nach seinem Eintreffen im Hamburger Stadthaus wird er verhört, misshandelt und nach zwei Tagen ins Polizeigefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel überstellt. Aufgrund der Anweisung der Reichsbehörden vom 5. November 1942, alle jüdischen Häftlinge und „Mischlinge ersten Grades“ aus deutschen Gefängnissen und Lagern zu entfernen und in das Konzentrationslager Auschwitz oder das Kriegsgefangenenlager Lublin zu überstellen, erfolgt am 7. Januar 1943 seine Verschickung nach Auschwitz. Hier wird er als „politischer Häftling“ eingruppiert und zur Mitarbeit beim Bau von Straßen und Krematorien gezwungen.

Nur selten spricht Blumenfeld nach 1945 über seine Erfahrungen als Häftling im Terrorsystem der Nationalsozialisten. Dass er Auschwitz überlebt, verdankt er hauptsächlich dem couragierten Einsatz seiner Mutter. Durch die Bestechung von Felix Kersten, dem Masseur Reichsführers SS Heinrich Himmler, erreicht Ebba Blumenfeld, dass sich Himmler die Entscheidung über das Schicksal ihres Sohnes vorbehält. Das Motiv Himmlers ist dabei nicht Menschlichkeit, sondern das Bestreben, im Machtstreben konkurrierender NS-Gruppierungen die Oberhand zu behalten.

Als „persönlicher Gefangener“ Himmlers erfährt Blumenfeld Hafterleichterungen, wie die Bewilligung zum Bezug von Lebensmittelpaketen. Im Oktober 1943 wird er in das – im Vergleich zu Auschwitz – weniger tödliche Lager Buchenwald verlegt. Da das Schicksal der „Mischlinge 1. Grades“ nicht abschließend geklärt und von der Reichsregierung schließlich auf die Zeit nach dem Ende des Krieges verschoben wird, kann Ebba Blumenfeld bei Himmler das Einverständnis zur Entlassung ihres Sohnes aus der Lagerhaft bewirken. Der Preis dafür ist, dass Blumenfeld in seine Sterilisation einwilligt.

Nach seiner Haftentlassung im August 1944 verfügt Blumenfeld allerdings nicht über die Freiheit, selbst über sein Schicksal zu bestimmen. Der Zwangsarbeit, für die er vorgesehen ist, kann er sich jedoch durch die Verpflichtung für die Arbeit in einem als „kriegswichtig“ eingestuften Unternehmen im Rheinland entziehen. Seiner eigenen heiklen Lage zum Trotz beteiligt er sich Januar 1945 an den Fluchtplänen eines deutsch-jüdischen Paares in Berlin, von denen die Gestapo Kenntnis erhält. Daraufhin wird er erneut in einem Berliner Sammellager inhaftiert. Im April 1945 gelingt ihm von hier aus unter abenteuerlichen Umständen die Flucht nach Hamburg, wo ihm der Anwalt und spätere Verleger der „ZEIT“, Gerd Bucerius, bis zum Kriegsende am 8. Mai 1945 Unterschlupf gewährt.

Unternehmer und Politiker der ersten Stunde

Die Wiedererlangung seiner staatsbürgerlichen Rechte nach der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus versetzt Blumenfeld in die Lage, sich wieder der Leitung und dem Neuaufbau der Familienunternehmen widmen zu können. Die Norddeutschen Kohlen- und Cokes-Werke baut er in den 50er Jahren zu einem zu einem der größten Kohleimportfirmen der Bundesrepublik aus. Mit seiner Ernennung zum Vizepräsidenten der Hamburger Handelskammer übernimmt er 1946 erstmals ein öffentliches Amt. Seine Entscheidung, sich am demokratischen Neuaufbau zu beteiligen, geht, wie er rückblickend betont hat, auf seine Erfahrungen in Auschwitz und Buchenwald zurück. Auch weil politisch unbelastete Personen seiner Altersgruppe rar sind, ist Blumenfeld in der frühen Nachkriegszeit ein begehrter Kandidat für öffentliche Ämter. Im Mai 1946 übernimmt er neben seiner Tätigkeit als Vizepräses im Ehrenamt die Aufgaben des Hamburger Verkehrssenators. In beiden Funktionen ist er mitverantwortlich für den Wiederaufbau des Hamburger Wirtschaftslebens und der stark zerstörten Transportwege.

Da sich nach Kriegsende schnell die zentrale Bedeutung der Parteien für den Aufbau der Demokratie abzeichnet, entscheidet sich auch der bis dahin unabhängige Blumenfeld, einer Partei beizutreten. Seine Identifikation mit der „Großvaterfigur“ Konrad Adenauer und dessen Politik der Öffnung gegenüber Europa und dem Westen sind maßgeblich für seinen Eintritt in die CDU im Juni 1946. Nachdem er bei den ersten freien Wahlen im Oktober 1946 zum Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft gewählt wird, setzt er sich hier insbesondere für den Abbau der Planwirtschaft und den Übergang zur Marktwirtschaft im Sinne der Vorstellungen Ludwig Erhards ein. Nach erneuten Wahlen übernimmt er im Oktober 1949 den Vorsitz der CDU-Bürgerschaftsfraktion, der größten Oppositionsfraktion des von der SPD regierten Landesparlaments.

Blumenfeld gehört zu den Initiatoren des so genannten „Hamburg-Blocks“, einem Wahlbündnis von CDU, FDP, DP und BHE, das sich bei den Bürgerschaftswahlen 1953 mit einem Stimmenanteil von 50 Prozent gegenüber der SPD behaupten kann. Sein Verzicht auf die Kandidatur zum Amt des Bürgermeisters zugunsten Kurt Sievekings, dem deutschen Gesandten in Stockholm, sorgt in der Teilen der Öffentlichkeit und insbesondere bei Bundeskanzler Konrad Adenauer, der auf Blumenfeld gesetzt hatte, für Unverständnis. Als Grund für seinen Verzicht gibt er an, er habe sich „zu jung“ für das Bürgermeister-Amt gefühlt. Mitte 1955 tritt er wegen eines Dissenses mit Sieveking, dem er mangelnden politischen Gestaltungswillen und eine zu beamtenmäßige Amtsausübung vorwirft, auch von seinem Posten als CDU-Fraktionsvorsitzender in der Hamburger Bürgerschaft zurück.

Vorsitzender des CDU-Landesverbands Hamburg

Nach dem Zerfall des „Hamburg-Blocks“ und der Wahlniederlage der CDU bei den Bürgerschaftswahlen 1957 entschließt sich Blumenfeld zu einem politischen Comeback. Im März 1958 kandidiert er erfolgreich gegen Kurt Sieveking als CDU-Landesvorsitzender. In den zehn Jahren Blumenfelds an der Spitze der Hamburger CDU gelingt ein Ausbau der Parteiorganisation, die Mitgliederentwicklung und die Wahlergebnisse stagnieren allerdings. Gründe hierfür sind die zu geringe gesellschaftliche Verankerung der Partei im protestantisch geprägten Hamburg sowie die Dominanz der Sozialdemokratie, die neben dem Großteil der Arbeiterschaft auch Teile der bürgerlichen Eliten der Stadt integrieren kann. Blumenfeld selbst verfügt überdies nicht über das Profil eines ausgewiesenen Landespolitikers, denn sein Hauptinteresse gilt außenpolitischen Fragen. Infolge eines Verjüngungsprozesses innerhalb des Landesverbandes muss er schließlich den Parteivorsitz 1968 an den Vorsitzenden der Jungen Union, Dietrich Rollmann, abgeben. 1974 und 1978 nominiert die CDU den angesehenen und eher präsidial auftretenden Unternehmer erneut als Bürgermeister-Kandidaten. Mit 40,6 bzw. 37,6 der Wählerstimmen kann Blumenfeld jeweils respektable Wahlergebnisse erzielen, es gelingt ihm jedoch nicht, die Vorherrschaft der SPD in der Hansestadt zu brechen. Nach 1978 endet sein Engagement in der Landespolitik, 1980 ernennt ihn der CDU-Landesverband zum Ehrenvorsitzenden.

Außenpolitiker und „Diplomat ohne Amt“

Den Hintergrund für Blumenfelds Engagement in außenpolitische Fragen bilden das Interesse der Hamburger Wirtschaft an internationalen Kontakten, die traditionell engen wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte zwischen Hamburg und Großbritannien sowie das Ziel der Versöhnung der Deutschen mit den europäischen Nachbarn. Zusammen mit Eric M. Warburg und Marion Dönhoff zählt der Unternehmer zu den Initiatoren der Atlantik-Brücke e.V., einer 1952 ins Leben gerufenen zivilgesellschaftlichen Vereinigung zu Förderung der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Aufgrund seiner Sprachkenntnisse und internationalen Expertise fungiert er im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zwischen Richard Nixon und John F. Kennedy 1960 als persönlicher Berichterstatter Bundeskanzler Adenauers.

Nach seiner Wahl zum Abgeordneten des Deutschen Bundestags 1961 gehört Blumenfeld bis 1972 als ordentliches Mitglied dem Auswärtigen Ausschuss, dem zentralen parlamentarischen Gremium zur Begleitung und Kontrolle der Außenpolitik der Bundesregierung, an. In der Phase der innerparteiischen Polarisierung zwischen „Atlantikern“ und „Gaullisten“ in der Union ist er zu Beginn der 60er Jahre ein Wortführer der Kritiker der Politik Konrad Adenauers, die im Januar 1963 zum Abschluss des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags führt. De Gaulles Vorstellungen eines „Europas der Vaterländer“ ist den Augen der Atlantiker von nationalen Interessen geprägt, die es zu überwinden gelte, außerdem befürchten sie als Folge der engeren deutsch-französischen Zusammenarbeit eine Verschlechterung der transatlantischen Beziehungen. Blumenfelds Übereinstimmung mit Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard in dieser Frage sowie das zusehends problematische Verhältnis zu dem alternden Bundeskanzler machten ihn im Konflikt um die Kanzlernachfolge am Ende der Ära Adenauer zu einem Parteigänger Erhards.

In der Zeit des Kanzlerschaft Ludwig Erhards von 1963 bis 1967 ist Blumenfeld regelmäßig im Auftrag der Bundesregierung in der Rolle eines politischen Sonderbeauftragten und „Diplomaten ohne Amt“ tätig. Seinen Aufstieg in höhere Ämter verhindert sein Drang nach persönlicher Unabhängigkeit. Die diplomatischen Reisen des Abgeordneten nach Asien, Osteuropa oder Australien dienen dem Ausbau von Handelsbeziehungen ebenso wie der politischen Repräsentation der Bundesrepublik. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Versöhnung von Deutschen und Polen und der Ausbau der deutsch-polnischen Handelsbeziehungen. Motiviert wird er dabei von seinen Erfahrungen als Verfolgter des NS-Regimes und seinem Wissen um die Leiden der polnischen Bevölkerung unter der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs. Mit seiner Forderung nach einer Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze als polnische Ostgrenze, die er 1965 vorträgt, findet er in der Union zu dieser Zeit jedoch keinen Rückhalt.

Deutsch-Israelische Beziehungen

Zu den zentralen politischen Verdiensten Blumenfelds gehört sein Beitrag zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel. Im Vorfeld des Beginns offizieller Verhandlungen führt er im Februar 1965 im Auftrag des Bundeskanzlers Sondierungsgespräche mit Xaver Federmann, einem Berater des israelischen Premierministers Levi Eshkol. Seine Sondierungsmission schafft die Vertrauensgrundlage für den erfolgreichen Abschluss der Gespräche und zur erstmaligen Entsendung von Botschaftern zwischen den beiden Staaten im Mai 1965.

Blumenfelds Rolle als Mittler zwischen der Bundesrepublik und Israel und Fürsprecher des Landes beruht auf seiner Überzeugung von der besonderen historischen Verantwortung der Deutschen für Israel. Als einziger Auschwitz-Überlebender im Deutschen Bundestag genießt er bei seinen Gesprächspartnern in Israel ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit. Das Ziel der „Aufarbeitung der deutsch-jüdischen Vergangenheit“ könne dabei nicht, so schreibt er 1988 in einem Beitrag für „Das Parlament“, „mittels parteipolitischer Instrumente erreicht werden“, notwendig sei vielmehr ein breites Engagement aller demokratischen Gruppierungen in der Bundesrepublik. Er selbst engagiert sich außerhalb des Parlaments auch als Mitglied und von 1977 bis 1991 als Präsident der Deutsch-Jüdischen Gesellschaft für die Intensivierung des gesellschaftlichen Austauschs zwischen Deutschen und Israelis. Nach der Ablösung der sozialliberalen Koalition und der Wahl Helmut Kohls zum Bundeskanzler setzt er sich für einen Neustart in den bilateralen Beziehungen ein, die sich infolge des Sechstageskrieges 1967 und der Okkupation Ost-Jerusalems und der Golanhöhen eingetrübt hatten. Er ist ein Wegbereiter der erneuten Annäherung zwischen der Bundesrepublik und Israel in der zweiten Hälfte der Ära Kohl.

Europapolitik und letzte Lebensjahre

Seit dem Ende der 60er Jahre widmet sich Blumenfeld verstärkt der Europa-Politik. Von 1966 bis 1973 ist er Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates, 1970 wird er als erster Deutscher zum Vorsitzenden des Politischen Ausschusses gewählt. Als überzeugter Verfechter des europäischen Integrationsprozesses entwirft er für die CDU Mitte der 70er Jahre eine politische Agenda für den Zusammenschluss der europäischen Nationalstaaten zu einem Bundesstaat, bereits 1968 schlägt er die Bildung einer europäischen Währungsunion vor. In einer Zeit, die jedoch eher von Stagnation als vom Ausbau der europäischen Integration geprägt ist, finden diese Vorstellungen keinen realpolitischen Widerhall, sie gehören jedoch zu dem Fundament, auf dem Generation der Europapolitiker in der Union nach Blumenfeld aufbauen kann. Nach den ersten Direktwahlen zum Europäischen Parlament 1979 setzt sich Blumenfeld für eine weitere Demokratisierung der europäischen Institutionen und eine Ausweitung der Parlamentsrechte ein. Die Einheit Europas müsse „unverfälscht demokratisch sein“, so sein politischer Leitsatz.

1989 scheidet Blumenfeld aus dem Europaparlament aus, bereits 1980 beendet er seine Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter. Seit den 70er Jahren verbringt er regelmäßig mehrere Wochen jährlich in Israel, wo er mittlerweile auch ein Haus besitzt und hohes öffentliches Ansehen genießt. Am 10. April 1997 verstirbt er in Hamburg, wo er seine letzten Lebensjahre in einem Pflegeheim verbracht hat.

Literaturhinweise

Bajohr, Frank: Hanseat und Grenzgänger. Erik Blumenfeld – ein politische Biographie. Göttingen 2010.
Stubbe-da Luz, Helmut: Von der „Arbeitsgemeinschaft“ zur Großstadtpartei. 40 Jahre Christlich-Demokratische Union in Hamburg (1945-1985). Hamburg 1985.

Christine Bach