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Dibelius, Otto

* 15.05.1880 in Berlin
31.01.1967 in Berlin
Bischof, Dr. lic., D., Dr. theol. h. c. mult., Dr. jur. h. c., ev.

Übersicht

Studium in Berlin und Schottland, Pfarrer in Crossen, Lauenburg und Berlin; nebenamtlich im Berliner Evangelischen Oberkirchenrat tätig
1925Generalsuperintendent der Kurmark
1933beurlaubt, Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand; Mitglied im Brandenburgischen und Altpreußischen Bruderrat der Bekennenden Kirche
1945-1966Bischof von Berlin-Brandenburg
1949-1961EKD-Ratsvorsitzender
1954-1961einer der Präsidenten des Ökumenischen Rates der Kirchen

Biographischer Werdegang

Dibelius postulierte 1918-19 das Ende der Staatskirche, die vollzogene Trennung der Kirche vom Staat und deren Selbstständigkeit. In diesem Sinn proklamierte er das „Jahrhundert der Kirche" (1926, 6. Aufl. 1928). Die Volkskirche wird zum werterhaltenden Korrelat des religiös neutralen, aber zur Omnipotenz neigenden (Parteien-)Staates. Dibelius erteilte Forderungen, dem Zentrum eine evangelische Partei gegenüberzustellen, eine Absage; vielmehr sollten evangelische Christen in allen Parteien mitwirken, die das Existenzrecht der evangelischen Kirchen in Deutschland anerkannten (Interkonfessionalität). Er selbst schloss sich der DNVP an, nicht weil er der Politisierung der Kirche das Wort redete, sondern weil eine Partei auch in „christlichen Persönlichkeiten" ihren Rückhalt haben sollte. Dibelius beteiligte sich schon während des 2. Weltkrieges an konspirativen Überlegungen, die dem politischen und kirchlichen Neuaufbau nach dem Ende der NS-Diktatur galten. Er war Mitverfasser und Endredakteur der „Stuttgarter Schulderklärung" (Oktober 1945). Als einer der ersten trat Dibelius der Berliner CDU bei; möglicherweise hat er als Verfechter des Unions-Gedankens auch bei der Namensgebung der neuen Partei mitgewirkt. Entschlossen wies Dibelius die „Grenzen des Staates" (1949) auf und trat für die deutsche Wiedervereinigung ein. Wegen des kirchenfeindlichen Kurses der DDR sah er die Zeit für einen zweiten „Kirchenkampf" gekommen und sprach in seiner „Obrigkeits-Schrift" (1959) dem DDR-Regime das Recht ab, als Obrigkeit im Sinne von Römer 13 von den Christen Gehorsam einfordern zu können.

Literaturhinweise

R. Stupperich: Otto Dibelius (1989); H. Fritz: Otto Dibelius (1998, ausführliche Bibliographie).

Hartmut Fritz