Herwegen, Leo

* 25.02.1886 in Köln
09.05.1972 in Bad Honnef
Bergingenieur, Landesvorsitzender, Minister, Dr.-Ing., rk.

Übersicht

Studium der Bergwissenschaften
1911Promotion
1913-1944leitende Funktionen in Bergbaubetrieben
seit 1919Mitglied, später Vorsitzender des Zentrums in der Provinz Sachsen, zugleich MdL
1944wegen des Verdachts der Beteiligung am Attentat auf Hitler verhaftet
1945-1946Leiter des Amtes für Brennstoffindustrie und Energiewirtschaft in der Provinzialverwaltung Sachsen
1945Mitgründer und (bis Mai 1948) Vorsitzender der CDU in der Provinz Sachsen bzw. im Landesverband Sachsen-Anhalt, danach stellvertretender Vorsitzender
1945-19474. stellvertretender Vorsitzender der CDU in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ)
1946-1949MdL Sachsen-Anhalt
seit Dez. 1946zugleich Minister für Arbeit und Sozialpolitik
1948-1949Mitglied des Volksrates
1949Abgeordneter der Provisorischen Volkskammer
Okt. 1949verhaftet und wenig später aller Ämter enthoben

Biographischer Werdegang

Herwegen hatte 1947 als Aufsichtsratsmitglied der kurz zuvor auf sowjetische Weisung enteigneten „Deutschen Continental Gas-Gesellschaft" zusammen mit anderen Aufsichtsratsmitgliedern und nach Zustimmung des Wirtschaftsministeriums genehmigt, dass Aktienanteile des Konzerns an Tochtergesellschaften in Westdeutschland übertragen wurden und damit der Enteignung entzogen waren. Im April 1950 verurteilte ihn das Oberste Gericht der DDR in einem Schauprozess unter Vorsitz von Hilde Benjamin in Dessau wegen „Sabotage bei der Sozialisierung" zu 15 Jahren Zuchthaus. Herwegens Ausschaltung ist im Zusammenhang des nach der DDR-Gründung verschärften Vorgehens gegen SED-kritische ‚bürgerliche‘ Politiker zu sehen. Unmittelbar nach seiner Haftentlassung im September 1956 floh er in die Bundesrepublik, wo er politisch nicht mehr hervortrat.

Literaturhinweise

F.-J. Kos: Politische Justiz in der DDR. Der Dessauer Schauprozeß vom April 1950, in: VfZ 44 (1996).

Manfred Agethen