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Müller, Josef
(„Ochsensepp”)

* 27.03.1898 in Steinwiesen/Oberfranken
12.09.1979 in München
Rechtsanwalt, CSU-Landesvorsitzender, Minister, Dr. oec. publ., rk.

Übersicht

1916-1918Kriegsdienst
1919-1923Nationalökonomie- und Rechtswissenschaftsstudium in München
1925Promotion
1927große juristische Staatsprüfung
vor 1933BVP-Mitglied
1933kurzzeitig Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Kreistages von Oberbayern
bis 1939Anwalt für kirchliche Einrichtungen; Beteiligung an Arisierungen (nach 1945 vom Vorwurf der Bereicherung entlastet)
1934Verhaftung
1939Einberufung zur Abwehr
bis Jan. 1940Verbindungsmann eines über den Vatikan laufenden Kontakts zwischen dem militärischen Widerstand und der britischen Regierung
1943Verhaftung; trotz Freispruchs vor dem Reichskriegsgericht am 03./04.03.1944 weiter in Haft (Gestapo-Gefängnis Berlin sowie KZ Buchenwald, Flossenbürg und Dachau)
04.05.1945Befreiung
1945Vorsitzender des Vorläufigen Landesausschusses der CSU
1946-1949Landesvorsitzender
1946-1949und1963-1965Mitglied des geschäftsführenden Landesvorstands
1946-1960und1963-1968Mitglied des Landesvorstands
1951-1960Vorsitzender des CSU-Bezirksverbands München
1947Mitglied des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft der CDU und CSU Deutschlands
1946Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung Bayern
1946-1962MdL Bayern
1947-1950stellvertretender Ministerpräsident und Justizminister
1950-1952Justizminister
1960erfolglose Kandidatur bei der Münchner Oberbürgermeisterwahl

Biographischer Werdegang

Müllers politische Leistung ist die Gründung der CSU 1945 als interkonfessioneller liberal-konservativer Volkspartei in Bayern, die ihm gegen Bemühungen gelang, die BVP wiederzubeleben. Dabei setzte sich der Franke gegen die altbayerisch geprägte BVP-Führungsriege aus den Jahren vor 1933 durch. Seine Konzeption von der CSU als einem Landesverband in einer dezentral verfassten Gesamtunion war jedoch nicht mehrheitsfähig. Beim Griff nach dem Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten scheiterte Müller zweimal. Seinen Versuch, im Herbst 1945 Fritz Schäffer abzulösen, vereitelte die amerikanische Militärregierung durch die Berufung von Wilhelm Hoegner (SPD). Müllers Wahl zum Ministerpräsidenten am 21. Dezember 1946 durch den Bayerischen Landtag verhinderte der Hundhammer-Flügel der CSU, der sich mit der SPD auf die Wahl Hans Ehards (CSU) einigte. Der politische Handlungsspielraum des nie unumstrittenen Landesvorsitzenden war durch die Auseinandersetzungen mit dem Schäffer-Hundhammer-Flügel der CSU stets eingeschränkt. Ein Punktsieg gelang ihm in diesem Ringen, als er das Amt eines Staatspräsidenten bei den bayerischen Verfassungsberatungen 1946 verhinderte. Der für die Partei bis 1949 bestimmende Dualismus wurde dadurch noch verschärft. Müller beherrschte bis 1949 zwar den Parteiapparat, ein substantieller Einfluss auf die CSU-Landtagsfraktion blieb ihm jedoch versagt. Die Popularität von Ministerpräsident Ehard, dessen sachliches Regierungshandeln sich von Müllers eher durch Taktik geprägtem Politikstil unterschied, erreichte während der Grundgesetz-Beratungen einen Höhepunkt. Auf der CSU-Landesversammlung in Straubing (27.-29. Mai 1949) verlor Müller den Landesvorsitz an Ehard und damit auch seine Machtbasis. Aus seiner Tätigkeit als Justizminister blieben insbesondere seine Intervention in das laufende Verfahren gegen Alfred Loritz (WAV) 1949 sowie finanzielle Unregelmäßigkeiten in der „Auerbach-Affäre" in Erinnerung, die am 26. Mai 1952 zu seinem Rücktritt führten.

Literaturhinweise

Bis zur letzten Konsequenz. Ein Leben für Frieden und Freiheit (1975). - K.-U. Gelberg, in: ZGiLB 8 (1997); Hanns-Seidel-Stiftung (Hg.): Josef Müller. Der erste Vorsitzende der CSU (1998); T. Schlemmer: Aufbruch, Krise und Erneuerung. Die Christlich-Soziale Union 1945-1955 (1998).

Karl-Ulrich Gelberg