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Schmittmann, Benedikt

* 04.08.1872 in Düsseldorf
03.09.1939 in KZ Sachsenhausen
Dr. jur., Jurist, Landesrat, Hochschullehrer, rk.

Übersicht

1893-1897Jurastudium in Freiburg, Leipzig, München, Bonn
1902wissenschaftlicher Hilfsarbeiter
1906Landesassessor
1909Landesrat bei der Landesversicherungsanstalt der rheinischen Provinzialverwaltung in Düsseldorf
1915Professor für Sozialpolitik an der Hochschule für kommunale und soziale Verwaltung
1917Handelshochschule
1919Universität in Köln
1917-1918Generalreferent für das wallonische Kultusministerium in der deutschen Zivilverwaltung für Belgien
1933Entlassung
13.09.1939ermordet im KZ Sachsenhausen

Biographischer Werdegang

Mit gezielter Vergabe der Landesversicherungs-Darlehen an Gemeinden, Kreise, Kirchen, Orden und Wohlfahrtsverbände suchte Schmittmann vor 1914 die Gesundheitsvorsorge auf dem Lande möglichst flächendeckend zu verbessern. Seine Modelle einer pluralistischen, gestuften Wirtschafts- und Staatsverfassung scheiterten 1919/20 beim Zentrum. 1924 gründete er den Reichs- und Heimatbund deutscher Katholiken und leitete ihn bis zum Verbot. Er forderte die Auflösung Preußens, den Anschluß Österreichs, ein vereinigtes Europa, eine zentrale, nicht-zentralistische Staatsgewalt, eigene Hoheitsrechte für Länder, Kreise und Gemeinden. Die Nationalsozialisten fälschten Schmittmanns Föderalismus in Separatismus um. Er wurde am 29.4.1933 in seinem Hause überfallen und bis 2.6.1933 in Schutzhaft festgehalten. Ein Hochverratsverfahren wurde 1934, ein Dienststrafverfahren 1936 eingestellt. Am 1.9.1939 verhaftet, wurde er am 8./9.9.1939 nach Sachsenhausen verbracht.

Literaturhinweise

A. Kuhlmann: Das Lebenswerk Benedikt Schmittmanns (1970); H. Stehkämper, in: ZGiLB 6 (1984); A. Kuhlmann/H. Moll: Prof. Dr. Benedikt Schmittmann, in: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein 202 (1999); Strickmann, M.: Benedikt Schmittmann (1872-1939) als rheinischer Föderalist zwischen antihegemonialen Reichsneugliederungsinitiativen und sozialethischen Demokratie-Idealen, in: Geschichte im Westen 17 (2002) 1, S. 48-66.

Hugo Stehkämper