Wohleb, Leo

* 02.09.1888 in Freiburg/Breisgau
12.03.1955 in Frankfurt/Main
Oberstudiendirektor, Ministerialrat, Staatspräsident, rk.

Übersicht

1907-1912Studium der Altphilologie, Archäologie, Patristik, Bibelwissenschaft in Freiburg und Greifswald
1912Staatsprüfung, danach Lehramtspraktikant an badischen Gymnasien
1918-1920Hilfsreferent im Unterrichtsministerium in Karlsruhe
1920-1930Schuldienst in Freiburg
1930-1931Gymnasialdirektor in Donaueschingen
1931-1934Oberregierungsrat in Karlsruhe
1934-1945Gymnasialdirektor in Baden-Baden
1945-1946Referent im Unterrichtsministerium in Karlsruhe und in Freiburg, zuletzt als Ministerialrat
1946-1947Landesvorsitzender der Badischen Christlich-Sozialen Volkspartei (BCSV)
1946-1947Mitglied der Verfassunggebenden Versammlung und Chef der vorläufigen Landesregierung in Freiburg
1947-1952MdL (CDU), badischer Staatspräsident, Kultusminister und zeitweise Chef weiterer Ministerien
1952-1955Gesandter der Bundesrepublik Deutschland in Lissabon

Biographischer Werdegang

Wohleb, Sohn eines Kirchensteuerverwalters aus Freiburg, hätte ohne das Epochenjahr 1945 sein Leben als Schulmann hingebracht; die Nachkriegszeit hat einen Politiker aus ihm gemacht. Seine politischen Überzeugungen beruhten auf Vorstellungen des ehemaligen linken Zentrums (Joseph Schofer), insbesondere den Prinzipien der katholischen Soziallehre, deren Subsidiaritätsgebot er in der engeren badischen Heimat realisiert sehen wollte, auf der Norm des staatlichen Föderalismus, wie sie dann bei den Verfassungsgesprächen in Ellwangen (Ellwanger Kreis) vertreten worden ist, auch auf der völkerverbindenden, jedoch den Bolschewismus ausgrenzenden Abendland-Idee, die er als Form „badischer Außenpolitik" am Hoch- und Oberrhein zur Schweiz und zu Frankreich begann. Da er sich in diesem Punkt mit Erzbischof Conrad Gröber gut verstand und da ihm ein gutes Verhältnis zu den Franzosen nachgesagt wurde, bot er sich 1945 in der Krise der doppelten christlichen Parteigründung als Kompromisskandidat für den Landesvorsitz der BCSV (später CDU) an. Wohleb befürwortete eine für Katholiken und Protestanten gleichermaßen offene Landespartei nach dem Beispiel der CSU. Erst mit seinem satzungsbedingten Rücktritt von der Parteiführung („lex Wohleb") ging die BCSV in der CDU Deutschlands auf. Durch sein rhetorisches Talent hatte er in den Anfangsmonaten die Parteiströmungen zu großer Geschlossenheit geführt. Im Februar 1948 traten er und sein Kabinett aus Protest gegen die Demontagepläne der Besatzungsmacht zurück und amtierte die folgenden 12 Monate geschäftsführend. Gegen eine unitarische Grundstimmung, verbreitete antifranzösische Ressentiments und ein einseitiges Kalkül mit Wirtschaftsdaten warb Wohleb für die Wiederherstellung des historischen Landes Baden („Vom See bis an des Maines Strand die Stimme dir, mein Badenerland!"). In den ergebnislos abgebrochenen südwestdeutschen Ministerpräsidentengesprächen nach Absatz 1 des Neugliederungsartikels 118 Grundgesetz rief Wohleb vergebens das Bundesverfassungsgericht gegen das Neugliederungsgesetz des Bundes an, das es möglich machte, dass der Südweststaat gegen die Mehrheit der badischen Stimmbürger gebildet werden konnte. Im Sommer 1952 bot ihm Konrad Adenauer den Posten eines Gesandtschaftsleiters in Lissabon an. Wohleb blieb dort drei Jahre. Seine letzte Mission war die Begleitung einer spanischen Wirtschaftsdelegation durch die Bundesrepublik.

Literaturhinweise

H. Maier/P-L. Weinacht (Hg.): Humanist und Politiker. Der letzte Staatspräsident des Landes Baden (1969); H.-G. Merz: Der ‚Fall‘ Leo Wohleb, in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins 103 (1984); P.-L. Weinacht (Hg.): Gelb-rot-gelbe Regierungsjahre (1988); Ders., in: ZGiLB 7 (1994); T. Wöhrle: Staatspräsident Leo Wohleb (1888-1955). Katholischer Badener, Deutscher, Europäer, in: HPM 15 (2008), S. 191-216.

Paul-Ludwig Weinacht