Emma Johanna Wilhelmine Caroline Adenauer (geb. Weyer)

* geboren 10.09.1880 in Köln
† gestorben 06.10.1916 in Köln

Erste Ehefrau von Konrad Adenauer

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Übersicht

Gemeinsame Kinder:
Konrad August Emil Emanuel (21.09.1906-22.01.1993)
Max Konrad (21.09.1910-06.01.2004)
Maria Johanna Emma Emilie Helene (07.10.1912-14.01.1998)

Durch ihre familiäre Herkunft bzw. ihre Verankerung im rheinischen Großbürgertum erleichterte Emma Adenauer ihrem Mann den gesellschaftlichen und politischen Aufstieg in Köln. Sie verstarb bereits im Alter von 36 Jahren, ein Jahr vor Adenauers Wahl zum Kölner Oberbürgermeister.

Elternhaus und Kindheit

Emma (links) im Malunterricht
StBKAH

Emma wurde als Tochter von Gustav Emanuel Aloys Weyer (1836-1884) und Emilie Weyer (1849-1911), geborene Wallraf, in eine alteingesessene und vermögende Familie des Kölner Großbürgertums hineingeboren. Aufgewachsen ist sie mit drei Geschwistern (Max, Paul und Maria) in einem der Vorzeigehäuser der Wolfstraße im Zentrum von Köln. Ihr Vater war Direktor der Kölner Rückversicherungs-Gesellschaft, ihr Großvater, Johann Peter Weyer, legendärer Kölner Stadtbaumeister, Kunstsammler und Immobilienspekulant. Der Urgroßvater mütterlicherseits, Franz Xaver Joseph Heinrich Berghaus, war vordem Generalprokurator und Geheimer Oberjustizrat zu Köln. Der Onkel mütterlicherseits, Max Wallraf, fungierte zunächst als Polizeipräsident der Stadt Aachen, dann als Oberpräsidialrat in Koblenz und von 1907-1917 als Oberbürgermeister der Stadt Köln. Er war somit der unmittelbare Vorgänger von Konrad Adenauer in diesem Amt. In Emmas Elternhaus herrschte eine traditionelle Strenggläubigkeit. Diese steigerte sich ins Extreme nach dem frühen Tod von Emmas Vater im Jahre 1884 infolge eines Unfalls. Emma war zu diesem Zeitpunkt vier Jahre alt. Die zurückgebliebene Witwe, Emilie Weyer, suchte den plötzlichen Verlust ihres Mannes durch eine rigorose Hinwendung zu Gott zu bewältigen. Ihre Tochter Emma litt allerdings unter der zwischenzeitlich drückenden Gottesfurcht im Haus ihrer Mutter. Ein daraus resultierender, ausgeprägter Freiheitswille begründet womöglich Emmas selbstbewussten, schulischen Werdegang.

Schulischer Werdegang

1890 - 1897  Besuch des Lyzeums in Köln
1897 - 1898 Besuch einer Mädchenrealschule in Würzburg (Schwerpunkte Englisch und Französisch, Handarbeit, Zeichnen und Musik)
1898 - 1901 Sprachstudium und Vorbereitung auf den Schuldienst
1901  Qualifikation zur Erteilung von Englisch- und Französischunterricht an mittleren und höheren Mädchenschulen

    

      

               

Verbindung mit Konrad Adenauer

Emma Weyer und Konrad Adenauer lernten sich 1901 im Tennisclub „Pudelnass“ kennen und schätzen. Das aus England stammende Tennis war seit einigen Jahren auch in Deutschland populär. Die Tennisgesellschaften fungierten zudem regelmäßig als Kontakt- und Heiratsbörsen für die Töchter des gehobenen Bürgertums wie für die männlichen Akademiker unter den Clubmitgliedern. Und das Racket trug nicht von ungefähr den bezeichnenden Beinamen „Verlobungskelle“.  Der Club Pudelnass hatte seinen Namen aufgrund der Eigenheit, dass hier bei jedem Wind und Wetter gespielt wurde. Nach den Partien verließen die Spieler das Feld nicht selten begossen wie die sprichwörtlichen Pudel.

Verloben konnten Emma und Konrad sich bereits 1902. Eine Heirat allerdings gestaltete sich als schwierig, war Konrad Adenauers berufliche Zukunft zu diesem Zeitpunkt doch reichlich ungewiss. Er war ein schlichter Gerichtsassessor. Gesellschaftlich entstammte er dem Kleinbürgertum, während Emma Weyer zur Kölner Oberschicht gehörte. Nicht wenige Weyers und Wallrafs werden die sich anbahnende Verbindung zwischen Emma und Konrad Adenauer skeptisch registriert haben.

Es waren jedoch gleich drei begünstigende Faktoren, die die Eheschließung letztlich ermöglichten: Erstens wurden die gesellschaftlichen Unterschiede in einer Zeit der ehrgeizig und selbstbewusst aufstrebenden Mittelschicht nicht mehr ganz so verbissen verfochten wie noch vor der Jahrhundertwende; eine auch familiäre Durchmischung der Schichten war von daher weniger skandalbehaftet. Zweitens war Emmas Vater seit langem tot und konnte mithin beim offiziellen Werben Adenauers nicht zugegen sein; womöglich hätte er dem Bewerber strenger auf den Zahn gefühlt, als Emmas Mutter das tat. Drittens hatte Adenauer einen starken Fürsprecher im engsten Familienkreis der Weyers, Emmas älteren Bruder Max. Der zog anstelle des Vaters Erkundigungen über Konrad Adenauer ein. Das Resultat lautete positiv. Aber auch intuitiv erfasste Max den großen Aufstiegswillen und den konsequenten Ehrgeiz Adenauers vollkommen richtig. Die etwas reservierte und höflich-offizielle Art von Adenauers Werben mochte ihm außerdem imponiert haben. In der Folge setzte er sich vehement für eine Verbindung seiner Schwester mit Adenauer ein. Die genannten Faktoren führten in Summe dazu, dass Konrad und Emma 1904 endlich heiraten konnten. Inzwischen war aus dem „Herrn Assessor“ aber auch bereits ein Stellvertreter des prominenten Rechtsanwalts und Justizrats Hermann Kausen am Kölner Oberlandesgericht geworden.

Heirat

Heiratsurkunde Emma Weyer und Konrad Adenauer
StBKAH

Am 26. Januar 1904 wurden Emma Weyer und Konrad Adenauer standesamtlich verheiratet. Die kirchliche Trauung folgte zwei Tage später in der Pfarrkirche St. Stephan in Köln-Lindenthal. Die sich anschließende Hochzeitsreise ging in die Schweiz sowie an die französische und italienische Riviera. Konrad Adenauer führte sehr gewissenhaft Buch über die Ausgabenposten dieser Reise. So verzeichnete er lapidar den Minusposten von 10 Francs, die die beiden im Spielcasino Monte-Carlo verspielt hatten. In Ihrem Hochzeitstagebuch schildert Emma den Vorfall weit emotionaler:

Nein, dieses Pech! Ich fange an, heftig zu werden, meine Erregung steigert sich, ich will versuchen, das Verlorene zurückzuerobern. Aber umsonst! Keine Mühe bringt es wieder in unsere Tasche, vergebens spielen wir weiter. Ich sehe und höre fast nichts mehr um uns her, nur spielen, weiter spielen. Und du bleibst so ruhig und gemessen. Wie ist das nur möglich! Du mahnst mich auch zur Ruhe, die Spielwut nicht in mir aufkommen zu lassen. Wie sie mich schon gepackt hat, und wie heiß ich bin! Nun nimmst du mich sanft bei der Hand. „Wir wollen gehen,“ sagst du leise, „du bist zu aufgeregt.“ Ich will aber nichts davon wissen, da ziehst du mich ruhig fort, dem Ausgang des Saales zu.

Durch sein kühles Eingreifen hat Adenauer das junge Paar wohl vor einem größeren Verlust bewahrt. In jedem Fall bringt die Beschreibung exemplarisch die unterschiedlichen Temperamente der beiden Eheleute zutage. Darüber hinaus werden wir hier bereits Zeuge der genuinen Besonnenheit, die den späteren Oberbürgermeister wie den noch späteren Bundeskanzler Konrad Adenauer in nicht wenigen, politisch heiklen Situationen vor unbedachten Entscheidungen bewahrt. Die Monte-Carlo-Episode hatte jedenfalls noch ein spätes Nachspiel: Kein geringerer als der legendäre Milliardär Aristoteles Onassis sorgte 50 Jahre nach dem Spielverlust augenzwinkernd für Entschädigung in Form einer 100-Francs-Silbermünze mit dem Prägedatum 1904, dem Hochzeitsjahr von Emma und Konrad. Onassis war zwischenzeitlich Besitzer des Casinos geworden.

Wegbereiterin ins Oberbürgermeisteramt?

Briefe von Konrad Adenauer an Emma (zeitweise nahezu täglich verfasst)
StBKAH

Emmas Familie war wohlhabend. Sie war zudem tonangebend in der Kommunalpolitik. Mehrere Verwandte Emmas waren Stadtverordnete von Köln. In der Stadtverordnetenversammlung wurde der Kölner Oberbürgermeister gewählt. Einige Biografen hat das zu der naheliegenden Feststellung veranlasst, dass Adenauer nie auf diesen Posten gelangt wäre, wenn er zuvor nicht Emma Weyer geheiratet hätte. Dieser narrativen Kausalität vorbehaltlos zu folgen, hieße zunächst, Adenauers Eigenleistung bzw. seine persönliche Eignung für das Amt zu unterschätzen. Die Verbindung zwischen ihm und Emma als eine reine „Zweckehe“ zu begreifen, geht weiterhin fehl, weil die beiden nachweislich verliebt und einander innig zugetan waren. Davon zeugen zahllose anrührende Liebesbriefe und -gedichte, die bis heute im Archiv der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus erhalten sind. In diesen Schreiben nennt Emma ihren Konrad liebevoll ihr „Rädchen“, ihren „lieben, lieben, lieben Konrad“. Aus den Texten tritt auch immer wieder das vorzügliche Naturell der Autorin zutage – das einer munteren, lebensfrohen und musisch begabten jungen Dame, die aufgeschlossen und erwartungsvoll in die Zukunft schaut. Eines ihrer Gedichte für Konrad sei an dieser Stelle zitiert:

Ein Frühlingstraum durchzieht die Auen,
des Menschen Herz,
Nach Winterfrost und Wintergrauen
Blüht’s allerwärts.
Wie Lenzensnahn durch Strauch und Blüte
Durchschauert’s mich,
Und leise klingt mir’s ins Gemüte:
Ich liebe dich!

Letztlich braucht man Zweck und Liebe hier nicht gegeneinander auszuspielen. So mag bei der Eheschließung zwischen Konrad und Emma beides entscheidend gewesen sein. Liebe war in jedem Fall im Spiel. Auch der Adenauer-Biograf Hans-Peter Schwarz kommt zu diesem Ergebnis: „…alle vorliegenden Zeugnisse deuten auf eine Liebesromanze, und zwar von beiden Seiten.“

Mutterschaft

Emma mit dem Erstgeborenen („Koko“)
Eugen Coubillier/StBKAH

Konrad und Emma bekamen in der Folge drei gemeinsame Kinder: Konrad („Koko“) im Jahre 1906, Max im Jahre 1910 und Maria („Ria“) 1912. Aufgrund des Familienzuwachses zogen sie 1911 aus der Friedrich-Schmidt-Straße 4 in die Max-Bruch-Straße 6 in Köln-Lindenthal. Dieses Haus war im Auftrag Adenauers gebaut worden und machte einen luxuriösen Eindruck. Man beschäftigte mehrere Hausangestellte. Zwei Jahre zuvor war Adenauer zum Ersten Beigeordneten der Kölner Stadtverordnetenversammlung gewählt worden. Damit vertrat er den Oberbürgermeister der Stadt Köln und bezog ein entsprechendes Gehalt.

Die Adenauers hätten in ihrem neuen Heim hochherrschaftlich leben und mit ihren Lebensumständen zufrieden sein können, wenn sich nicht Emmas Gesundheitszustand verschlechtert hätte. Viel Zeit blieb Emma jedenfalls nicht, in der neuen Umgebung der Rolle einer Hausherrin gerecht zu werden. Nach der Geburt von Ria im Jahre 1912 wurde sie immer häufiger bettlägerig und zunehmend menschenscheu. Nichts schien mehr geblieben von der einst so unternehmungslustigen, stets agilen jungen Frau. Und allenfalls das älteste der Kinder, Konrad, dürfte sich an eine gesunde Zeit im Leben seiner Mutter erinnert haben. Die jüngeren Geschwister nahmen Emma mehrheitlich als Patientin wahr und hatten entsprechende Rücksicht zu nehmen.

Wobei: Durchgehend bedrückend darf man sich das Hauswesen der Max-Bruch-Straße 6 auch nicht vorstellen. Immer wieder hatte Emma auch bessere Momente, in denen sie den Kindern eine liebende und fürsorgliche, aber durchaus auch strenge Mutter sein konnte.

Lange Krankheit und früher Tod

Todesanzeige von Emma Adenauer
StBKAH

Emma litt beinahe lebenslang unter einer Rückgratverkrümmung, die recht spät diagnostiziert worden war und die das einwandfreie Funktionieren der Nieren auf Dauer erschwerte. Das Leiden verschlimmerte sich mit der ersten Schwangerschaft und erreichte eine Hochphase nach der Geburt des dritten Kindes im Jahre 1912. Ab diesem Zeitpunkt war sie häufig an das Krankenbett gebunden. Und das Familienoberhaupt? Konrad Adenauer erfüllte von da an eine Doppelfunktion: Tagsüber war er in seiner Schlüsselposition in der Kölner Stadtverwaltung an das Rathaus gebunden, die Mittagspausen und die Abendstunden verbrachte er am Krankenbett seiner Frau. Adenauer wusste von den Ärzten, dass es sich um eine tödliche Krankheit handelte, sprach dies im Beisein seiner Frau und der Kinder aber niemals aus.

Im Jahr 1916 – zu einem Zeitpunkt als Adenauer sich gerade in Berlin aufhielt – erlitt die restliche Familie in Köln beim Essen eine Pilzvergiftung. Alle Betroffenen überstanden das unbeschadet, die Nieren von Emma allerdings versagten unter der Wirkung des Gifts. Ihr Zustand verschlechterte sich so rapide, dass Adenauer seinen Berlinaufenthalt abbrechen und nach Köln zurückkehren musste. Er kam gerade rechtzeitig, um in der Todesstunde an Emmas Seite zu sein. Emma Adenauer starb am 6. Oktober 1916 im Alter von 36 Jahren. Sie hinterließ einen am Boden zerstörten Witwer mit drei noch recht kleinen Kindern: zu diesem Zeitpunkt waren die Kinder zehn, sechs und vier Jahre alt.

Emmas Leichnam wurde zunächst auf dem Kölner Melatenfriedhof beigesetzt, die sterblichen Überreste dann 1948 – nach dem Tod der zweiten Ehefrau Auguste – in das Familiengrab der Adenauers auf dem Rhöndorfer Waldfriedhof umgebettet.

  • Mensing, Hans Peter: Emma, Gussie und Konrad Adenauer. In: Mensing, Hans Peter: Aus Adenauers Nachlass. Köln 2007.
  • Schwarz, Hans-Peter: Adenauer. Band 1. Der Aufstieg 1876-1952. Stuttgart 1986.
  • Weymar, Paul: Konrad Adenauer. Die autorisierte Biographie. München 1955.

Carsten Sick