Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

10. Juni 1947 (Rhöndorf)

An Rechtsanwalt Bernhard Pfad

, Hannover-Kleefeld

StBKAH 08.57


Sehr verehrter Herr Pfad!

Ihren Brief vom 8. d.Mts.1 habe ich nochmals in Ruhe gelesen und bin über den Inhalt sehr bekümmert. Ich empfehle Ihnen dringend, nicht die gegen Sie erhobenen ehrenrührigen Vorwürfe auf sich beruhen zu lassen, sondern die Einsetzung eines Ehrengerichts zu verlangen, das diese Vorwürfe untersucht. Es besteht sonst die Gefahr, daß irgendetwas hängen bleibt, und das wäre doch außerordentlich schade.

Zur Sache selbst bin ich der Ansicht, daß in Niedersachsen ein evangelisches Mitglied 1. Vorsitzender der Partei sein muß, Stellvertreter ein Katholik.

Ich bitte Sie, diesen meinen Brief auch Herrn Gereke zu zeigen, mit dem ich gestern kurz gesprochen habe2.

Ich weiß, wie opfervoll und hilfsbereit Sie immer gewesen sind, und ich bin überzeugt davon, daß Sie niemals mit Wissen irgendwie aus parteipolitischen Angelegenheiten geringsten Nutzen haben ziehen wollen. Ich kenne Ihre außerordentliche Gastfreundschaft. Herr Dr. Löns und ich haben sie ja selbst wiederholt genossen, und [ich] weiß, welch große Belastung für Sie und Ihre verehrte Gattin gerade die von Ihnen in so großem Umfange gezeigte Gastfreundschaft ist. Umsomehr würde ich es bedauern, wenn der ganze Komplex der gegen Sie erhobenen Vorwürfe des Eigennutzes nicht restlos geklärt wird.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Hierin: ausführliche Angaben Pfads zu einer gegen ihn durch Maria Sevenich, deren Verlobten Werner Meyer und Arnold Fratzscher inszenierten ›Intrige‹ (Vorwurf der Veruntreuung von Parteigeldern und mangelnden Arbeitseifers), die ihn zum Rücktritt vom CDU-Landesverbandsvorsitz in Hannover veranlasst habe.

  2. ^

    9.6.1947: Termin einer CDU-Zonenausschusstagung in Recklinghausen.