Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

11. April 1947 (Köln)

An die Leitung des Nordwestdeutschen Rundfunks

, Hamburg

StBKAH 07.16, mit ms. Briefkopf »Land. Verb. Rheinland«, ohne Anrede, ohne Ortsangabe beim Datum, nach Diktatzeichen »Dr. A./Ne.« im Zonensekretariat Köln ausgefertigt; Durchschlag an alle CDU-Landesverbände und Dr. Linus Kather, Hamburg-Ohlsdorf


Im Auftrag des Zonenausschusses der CDU hatte der Vorsitzende des Zonenflüchtlingsausschusses der CDU, Herr Rechtsanwalt Dr. Kather, am 11. März 1947 ein Schreiben an den Nordwestdeutschen Rundfunk gerichtet, in dem die CDU der brit. Zone sich gegen eine Sendung im Flüchtlingsfunk am 8. März 1947 wendet mit der Begründung, daß sie in dieser Darbietung eine eindeutige parteipolitische Stellungnahme im Rahmen eines neutralen Vortrages erblicke. Der Flüchtlingsfunk des Nordwestdeutschen Rundfunks hat mit Schreiben vom 25. März 1947 eine Antwort gegeben, die sachlich nicht befriedigt und in ihrer Form völlig daneben geht1. Der polemische Ton dieses Schreibens ist derartig herausfordernd, daß die CDU der brit. Zone sich ein sachliches Eingehen darauf versagen muß. Die CDU der brit. Zone neigt zu der Annahme, daß die Leitung des Nordwestdeutschen Rundfunks sich nicht mit der Form dieses Schreibens identifizieren wird. Bis zur Klärung der durch den Flüchtlingsfunk geschaffenen Sachlage muß es die CDU ablehnen, sich an Veranstaltungen des Flüchtlingsfunkes in Zukunft noch zu beteiligen.

Hochachtungsvoll
(Adenauer)


  1. ^

    Abschriften der hier erwähnten Korrespondenz sind in StBKAH nicht erhalten. Auf die in diesem Zeitraum auch in anderem Zusammenhang geübte CDU-Kritik am NWDR verweisen ausführlich Dierk Ludwig Schaaf, Politik und Proporz, S. 24-26 und Hans Bausch, Rundfunkpolitik nach 1945 T. 1, S. 54. Vgl. auch das Schreiben an William Asbury vom 5.5.1947 und die Aktennotiz über Gespräche mit Brigadier John Barraclough vom 14.5.1947.