Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

11. Januar 1948 (Rhöndorf)

An Elise Goldschmidt-Gromeier

, Amsterdam

StBKAH 07.05


Sehr geehrte Frau Goldschmidt-Gromeier1!

Entschuldigen Sie bitte die späte Beantwortung Ihrer verschiedenen Schreiben. Ich mußte aber erst feststellen, ob ich Ihr Paket erhalten habe. Es hat leider mehr Zeit gekostet, als mir lieb war, da meine Frau seit fast 3 Monaten schwer erkrankt im Krankenhaus in Bonn liegt und ich sehr viel abwesend bin. Ich habe Ihr Paket bekommen. Meine Frau und ich danken Ihnen recht herzlich für die wertvollen Gaben, insbesondere für die teilnehmende Gesinnung, die aus der Obersendung des Paketes und aus Ihren Briefen spricht.

Mein Besuch in Holland hat sich noch immer nicht ermöglichen lassen. Ich hoffe aber doch, daß er in den ersten Monaten dieses Jahres möglich sein wird. Ich werde mich dann rechtzeitig mit Ihnen in Verbindung setzen.

Ich danke Ihnen nochmals herzlich und bin mit freundlichen Grüßen

Ihr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Zu Elise Goldschmidt-Gromeier konnten keine biographischen Angaben ermittelt werden. Einem früheren Schreiben vom 24.2.1947 und später übermitteltem Pressematerial zufolge, war sie mit ihrem Mann Hermann Goldschmidt 1933 aus Deutschland in die Niederlande emigriert, um dort in der Kriegs- und Nachkriegszeit »in Zusammenarbeit mit den hiesigen deutschen Sozialdemokraten … eine caritative Hilfeleistung für deutsche Antinationalsozialisten« ins Leben zu rufen. Ausschlaggebend für die briefliche Kontaktaufnahme sei gewesen, »daß mir schon vor längerer Zeit Herr Peter von Zahn von Ihrer beabsichtigten Reiseberichtete.« Zu den damit angesprochenen Plänen Adenauers für eine Reise in die Niederlande (die im Mai 1948 zur Teilnahme am Europa-Kongress in Den Haag führten) vgl. Anm. 1 im Schreiben an David Lancashire vom 21.4.1948.