Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

12. April 1948 (Rhöndorf)

An den Präsidenten des Zentral-Justizamts für die britische Zone, Dr. Wilhelm Kiesselbach

, Hamburg

StBKAH 08.63, Durchschlag an Finanzminister Dr. Heinrich Weitz, Duisburg


Sehr geehrter Herr Präsident!

Wie ich höre, beschäftigt man sich mit der Frage der Besetzung des Postens des Oberlandesgerichtspräsidenten in Köln1. Ich bitte vertraulich, Ihnen meine Ansicht dazu sagen zu dürfen.

Der jetzige Inhaber der Stelle, Herr Schetter, ist, wie Sie selbst wissen werden, geistig und körperlich seinem Amte absolut gewachsen. Mir scheint, daß man in der gegenwärtigen politisch sehr gespannten Lage möglichst vermeiden sollte, was irgendwie beunruhigen könnte. Zweifellos wird die Neubesetzung dieses Postens aber politisch betrachtet werden. Überlegen Sie bitte, ob es sich gerade auch unter diesem Umständen empfiehlt, einstweilen keine Änderung vorzunehmen.

Für den Fall, daß eine solche Änderung absolut notwendig erscheint, darf ich Ihre Aufmerksamkeit auf den Landgerichtspräsidenten [K]remer in Düsseldorf lenken. Herr [K]remer ist seinerzeit – m. W. als zu keiner Partei gehörig – als Justizminister in das Kabinett Nordrhein-Westfalen eingetreten. Er war damals schon zum Präsidenten des Oberlandesgerichts in Hamm ernannt. Er schied später bei einer Änderung im Kabinett aus diesem wieder aus, ist jetzt Entnazisierungskommissar mit den Bezügen eines Oberlandesgerichtspräsidenten. Wenn eine Neubesetzung in Köln absolut nötig ist, meine ich, man sollte diese Angelegenheit [K]remer durch seine Ernennung als Oberlandesgerichtspräsident in Köln bereinigen2.


  1. ^

    Hierzu ein Schreiben von Heinrich Weitz an Adenauer vom 9.4.1948.

  2. ^

    Hierzu ein zweites, korrigierendes Schreiben Adenauers an Kiesselbach vom 19.4.1948: »... Irrtum unterlaufen. ... wollte ... Kremer für den freiwerdenden Posten ... in Düsseldorf empfehlen«; Kiesselbach selbst antwortete am 14.4.1948 (Besetzung der Kölner Stelle noch völlig offen).