Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

12. Dezember 1947 (Rhöndorf)

An Dr. Paul Silverberg

, Lugano

StBKAH 07.03


Lieber Herr Silverberg!

Ihren Brief vom 27.11. d. Js. habe ich erhalten. Meine Frau und ich danken Ihnen herzlichst für Ihr freundschaftliches Anerbieten1. Leider hat sich der Zustand meiner Frau weiter verschlechtert, so daß die Ärzte ihn als äußerst ernst betrachten. Sie stehen der Erkrankung machtlos gegenüber. Es wird jetzt darauf ankommen, ob sie genügend Widerstandskraft hat, durchzuhalten. Sie hat seit 9 Wochen fast ständig über 39° Fieber. Ihr Körper nimmt Spritzen nicht mehr an, so daß weder Penicillin noch etwas anderes oder Sulfonamide gespritzt werden können2. Auch ihr Magen lehnt Sulfonamide ab. Das Einzige, was man jetzt machen kann, sind Bluttransfusionen. Hier ist es ganz außerordentlich schwierig, weil ihr Blut ja krank ist, Blutspender zu finden, deren Blut sie verträgt. Bisher haben wir noch keinen gefunden. Wir hoffen, mit Hilfe des Laboratoriums der I.G. Farbenindustrie in Wuppertal-Elberfeld, das auf diesem Gebiete Forschungen vorgenommen hat, etwas zu erreichen. Sie können sich denken, wie niederdrückend diese ganze Sachlage für mich ist. Ich bin möglichst viel bei meiner Frau und stelle alle politischen Dinge, soweit irgend möglich, zurück.

Über Ihr Anerbieten hat meine Frau sich sehr gefreut. Sie hat Gott sei Dank z. Zt. noch keinen richtigen Einblick in die Gefährlichkeit ihrer Lage.

Zu Weihnachten und Neujahr wünsche ich Ihnen alles Gute und bin mit vielen herzlichen Grüßen, auch von meiner Frau,
Ihr
(Adenauer)


  1. ^

    Silverberg hatte für den Fall der Genesung Gussie Adenauers Hilfe bei der Durchführung eines Kuraufenthalts in der Schweiz zugesagt.

  2. ^

    Vgl. die Schreiben an Maurice W. Altaffer vom 17.12.1947 und vom 3.1.1948, an Wim J. Schmitz vom 3.1.1948, an Josef Löns vom 21.2.1948 und an Paul Silverberg vom 22.2.1948.