Rhöndorfer Ausgabe Online
An Regierungspräsident a.D. Dr. Adolf Sonnenschein
, Oberstdorf/AllgäuStBKAH 07.12
Sehr geehrter Herr Präsident!
Erst jetzt komme ich infolge der Wahlarbeiten dazu, Ihren Brief vom 20.9.d. Js. zu beantworten. Die Rede Churchills1 habe ich im Wortlaut in Schweizer Zeitungen gelesen. Wir können teilweise nicht mit ihr einverstanden sein, insbesondere nicht, wenn er fordert, daß jeder zukünftige deutsche Bundesstaat eine selbständige ausländische Vertretung haben müßte. Aber im Prinzip begrüße ich seine Ausführungen und habe das auch in mehreren Reden schon getan2.
Wir bemühen uns ständig, in nähere Verbindung mit führenden Persönlichkeiten anderer Länder zu kommen; bisher sind diese Bemühungen ganz erfolglos geblieben. Wir setzen sie aber fort.
Daß es Ihnen und Ihrer Gattin nicht gut geht, bedauere ich sehr.
Mit verbindlichen Grüßen
Ihr ergebener
(Adenauer)
Zürcher Rede Churchills vom 19.9.1946; Druck: Winston S. Churchill, The Sinews of Peace. Postwar Speeches, Cambridge 1949, S. 197-199; Teildruck des deutschen Textes: Auswärtiges Amt (Hg.), Europa. Dokumente zur Frage der europäischen Einigung, Bonn 1953, S. 84f. Ausführliche Hinweise bei Walter Lipgens, Die Anfänge, S. 313-319, Zur Beurteilung der Rede durch Adenauer vgl. dessen Erinnerungen (1955-1959, S. 13f., 21f.).
So z. B. in einer am 29.9.1946 in Mülheim /Ruhr gehaltenen Wahlkampfrede; vgl. Hans-Peter Schwarz, Vom Reich, S. 793.