Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

12. Oktober 1946 (Rhöndorf)

An Regierungsdirektor Dr. Fritz Deutzmann

, Stolberg/Rheinland

StBKAH 08.20


Sehr geehrter Herr Deutzmann1!

Auch nach der Absicht der britischen Militärregierung sollen die Länder in kulturellen Dingen keiner Zentralinstanz unterworfen sein. Ich bitte, diesen Standpunkt überall dort zu vertreten, wo Sie zentralistische Bestrebungen bemerken.

Das Kabinett Amelunxen und sein Kultusministerium2 müssen wir einstweilen ertragen. Ich bitte aber auch Sie, sowohl die sachliche wie die personelle Politik des Kultusministeriums sehr sorgsam im Auge zu behalten und mich über alle wichtigen Vorgänge zu unterrichten, damit wir sofort im Beschwerdewege dagegen vorgehen können.

Die SPD in Aachen zeigt sich allerdings durch meine Rede ganz besonders aufgeregt. Ich habe mich über ihre Schimpferei amüsiert!

Mit verbindlichen Grüßen
Ihr ergebener
 


  1. ^

    Deutzmann war, seinem Anschreiben vom 8.10.1946 zufolge, am 4.10.1946 mit Adenauer in Aachen zusammengekommen (Gastgeber: Dr. Albert Maas) und hatte daran anschließend zu verschiedenen kulturpolitischen Themen Stellung genommen. Seine Hauptsorge: angebliche Bestrebungen der Sozialdemokratie, »das ganze Schulwesen zentralistisch zu regeln«.

  2. ^

    Aus gesundheitlichen Gründen war Kultusminister Wilhelm Hamacher schon kurz nach der Amtsübernahme ausgeschieden; ab 26.9.1946 leitete Amelunxen das Ressort (vgl. Walter Först, Geschichte, S. 191).