Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

13. Oktober 1947 (Rhöndorf)

An Pfarrer Ludwig Kirsch

, Chemnitz

StBKAH 07.15, ohne Anrede


Sie dürfen versichert sein, daß ich die Bedeutung und die Arbeit der CDU für die östliche Zone durchaus schätze und würdige. Seien Sie weiter versichert, daß kein verantwortlicher Mensch daran denkt, die Ostzone abzuschreiben. Das wird niemals und unter keinen Umständen geschehen1.

Ich glaube sagen zu dürfen, daß die CDU der britischen Zone sozial durchaus fortschrittlich gesinnt ist.

Sie können gewiß sein, daß wir uns mit Ihnen verbunden fühlen, und ich danke Ihnen von Herzen für Ihre warmherzigen Ausführungen.

Ihr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Kirsch hatte am 30.7.1947 um Adenauers Verständnis für die besonderen Probleme in der SBZ gebeten (»....unsere Diasporaerfahrung unter der weithin gottfernen Bevölkerung der Ostzone...«) und die Überwindung des »Argwohn[s] gegen die CDU der Ostzone« im Westen gefordert. In diesem Sinne hatte sich Kirsch – angesichts der ›interzonal spürbaren Spannungen zwischen den Großmächten‹ – kurz zuvor auch in einem Leitartikel in der ›Union‹ (vom 2.7. 1947, ›Von der Sendung der CDU‹) geäußert: »Die CDU ist die einzige große Partei, die in allen vier Zonen Deutschlands vertreten und darum berufen ist, namens aller deutschen Gaue zu sprechen und zu verhandeln...Und da scheint uns die CDU am ehesten als ›ehrlicher Makler‹ in Betracht zu kommen.«