Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

14. März 1948 (Rhöndorf)

An den Direktor der Verwaltung für Verkehr Professor Dr. Edmund Frohne

, Frankfurt/Main

StBKAH 07.18, mit ms. Vermerk » – streng vertraulich –«, mit Entwurf Dr. Josef Löns vom 26.2.19481


Sehr geehrter Herr Direktor!

Sie werden verstehen, daß ich als langjähriger früherer Kölner Oberbürgermeister mit besonderem Interesse und – wie ich Ihnen sagen muß – z. Zt. sehr sorgenvoll die Entwicklung meiner Heimatstadt verfolge. Beiden in Köln verfolgten Wiederaufbauplänen wird für das künftige Schicksal der Stadt eine entscheidende Rolle spielen die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und der hiesigen Reichsbahndirektion. Die Entwicklung der Stadt ist von ihrer verkehrsmäßigen Entwicklung in großem Maße abhängig. Daraus folgt aber, daß die Person des Direktionspräsidenten in Köln von besonderer Bedeutung sein wird.

Ich nehme diese Überlegungen zum Anlaß, mich vertraulich an Sie zuwenden. Wie ich erfahre, ist im Zuge der Entnazisierung der gegenwärtige Präsident Hardt2 nach Gruppe III b 23 kategorisiert und zum Reichsbahndirektor herabgestuft worden. Das Berufungsverfahren wird wahrscheinlich, wie man mir sagt, mit einer Kategorisierung nach IV enden, so daß auch dann seine Weiterverwendung als Präsident in Köln in Fragesteht. Nach allgemeinem hiesigen Kölner Urteil wird Herr Hardt zwar persönlich geshätzt, jedoch als zu schwach bezeichnet, um der grossen Aufgabe auf die Dauer gewachsen zu sein. Es drängt sich somit zwangsläufig die Frage nach einer Neubesetzung auf. Der neue Herr müßte sowohl ein ausgezeichneter Fachmann sein als auch die nötige Festigkeit in der Verfolgung seiner Ziele aufbringen. Darüber hinaus erscheint es mir notwendig, daß er nicht nur nach der technischen Seite hervorragend ist, sondern auch jenes Gefühl für das besondere rheinische Fluidum und die Tradition dieser Stadt aufbringt, welches mir notwendig erscheint, um in glücklicher Weise die Gesichtspunkte einer modernen verkehrstechnischen Entwicklung mit den Gesichtspunkten der Tradition und des Stadtbildes zu vereinigen. Ich werde nunmehr von durchaus zuverlässiger Seite darauf aufmerksam gemacht, daß der gegenwärtige Abteilungspräsident in Speyer, Dr. Acker4 dessen Frau eine geborene Kölnerin ist, die oben bezeichneten Eigenschaften aufbringt. Es soll ihm allerdings eine leitende Position innerhalb der französischen Zone gerade jetzt in Aussicht stehen, so daß es schon energisch geführter Verhandlungen bedürfte, um ihn für Köln zu gewinnen. Zweifellos werden Sie Herrn Dr. Acker kennen, und es würde mich außerordentlich interessieren, ob Sie das wiedergegebene Urteil teilen. Wenn dies der Fall sein sollte, so würde ich Sie sehr bitten, sich dafür einzusetzen, daß Herr Dr. Acker als Präsident für Köln gewonnen wird. Als Vizepräsident wird hier der Reichsbahndirektor Schumacher von unseren Freunden als sehr geeignet bezeichnet. Schumacher ist Kölner und genießt fachlich einen guten Ruf. Ich glaube, in der Annahme nicht fehl zu gehen, daß Sie auch diesen Herrn persönlich kennen und sich ein Urteil über ihn bilden können. Es wird Ihnen bekannt sein, welche sehr mißlichen Verhältnisse bislang in der Personalabteilung der Reichsbahndirektion geherrscht haben. Es soll nunmehr etwas Luft geworden sein durch das Ausscheiden eines außerordentlich weit links stehenden Herrn. Die uns Nahestehenden in der Reichsbahndirektion Köln würden es sehr gerne sehen, wenn die Leitung der Personalabteilung dem Reichsbahnrat Alefelder übertragen werden könnte.

Es entspricht an sich nicht meinen Auffassungen, sich von der parteipolitischen Seite her in derartige interne Personalien einzumischen. Ich bitte, mein Schreiben auch nicht in diesem Sinne aufzufassen. Sie wissen jedoch, in welch besonderem Maße ich an Köln hängen muß und wie sehr mir die hiesigen Probleme geläufig sind. Ich glaube aber, im Interesse unserer Stadt mich in dieser Angelegenheit an Sie wenden zu sollen.

Mit Befriedigung habe ich davon Kenntnis genommen, daß die Fraktion einstimmig Sie erneut zum Direktor berufen will. Nachdem Ihnen die Meisterung der im Herbst unmittelbar bevorstehenden Transportkrisis gelungen ist, wünsche ich Ihnen für Ihre weitere Arbeit viel Erfolg.

Mit ausgezeichneter Hochachtung
(Adenauer)


  1. ^

    Auf dem Entwurf für Frl. Hohmann vermerkt, das Schreiben »auf Privatbogen Dr. Adenauer« zu übertragen (was dann, ohne Textveränderung durch Adenauer, geschah). Dem Entwurf beigefügt: eine Hintergrundinformation von Josef Löns zur parteipolitischen Situation bei der Reichsbahndirektion Köln (dort bisher starker Einfluss »von kommunistischen Elementen«, nunmehr habe sich »ein Aktionsausschuß der Beamten und Angestellten gebildet, die der CDU angehören«.) Ein schriftlicher Bescheid konnte nicht ermittelt werden.

  2. ^

    Friedrich Carl Hardt (1892-1954), 1945-1954 Präsident der Reichs- (ab 1951: Bundes-) bahndirektion Köln; Korrespondenz mit ihm ist in StBKAH nicht erhalten.

  3. ^

    Gruppe der Mitläufer in den Entnazifizierungskategorien; vgl. Wolfgang Krüger, Entnazifiziert!, S. 123-129.

  4. ^

    Theodor Acker (1899-1986), später Präsident der Bundesbahndirektion Mainz; vgl. Walter Vogel, Westdeutschland T. III, S. 368. – Korrespondenz mit Acker ist in StBKAH nicht erhalten.